Vorrede.
Ausserdem darfst du nicht glauben, daß diese Vor-rede dazu bestimmt ist, daß sie dir den Werth und dieSchönheit derer Gedichte kenntlich machen und an-preisen soll, die ich itzt herauszugeben die Ehre habe.Verdienen sie einige Hochachtung: So werden siesich solche schon selbst zuwege bringen. Es würdemir leid seyn, wenn sie einen Theil derselben meinerKühnheit sollten zu danken haben, womit ich sie hervortreten ließe. Du wirst es zwar gewohnt seyn, daßdie Vorreden der Herausgeber fremder Werke vonderen Vortrefflichkeit, Nutzbarkeit, Wichtigkeit undVorzügen vor vielen andern Schriften ihrer Art vieleWorte machen. Allein ich habe mich jederzeit ge-wundert, daß sie sich nicht gescheut, in ihrer eigenenSache ein Zeugniß abzulegen. Es ist mir immer ver-dächtig vorgekommen, wenn man seine Leser durchAnzeigung vieler guten Eigenschaften eines Werkszum Voraus einzunehmen gesucht hat. Lies und be-urtheile es selbst, ohne meine Vorschrift. Ich trauedir schon so viel Verstand und Einsicht zu, daß du wirstunterscheiden können, ob diese Gedichte von der ge-meinen Art sind, deren du vielleicht genug gelesen hast,oder ob sie zu einer höhern Gattung gehören, die beyUns eben noch nicht gar zu bekannt ist. Mich dünkt,ich würde dir und dem Herrn Verfasser derselben vielUnrecht thun, wenn ich etwas entscheiden wollte.
Dieß überhebt mich auch der Mühe, desselben Lob-redner allhier zu werden. Ich darf mich nicht befleiß-en, durch einen künstlichen Allsdruck zu versichern,daßUnter seinen vielen Verdiensten seine grosse Poesie diefeinste ist. Er hat sich scholl selbst der gelehrten Weltbekannt genug gemacht, und bedarf meiner unzeitigen
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