Vorrede.
Verleumdung gegen einen Mann begehen, den ichmit vieler Ergebenheit verehre. Denn es ist mit Wis-sen und Willen des Herrn Professor Gottscheds ge-schehen, daß ich seine Gedichte unter die Presse gege-ben. Er hat es mir auf mein Ansuchen erlaubt;und es ist nicht schwer zu erkennen, daß ich ihn wegeneiniger Stücke, sonderlich derer in fremdem Namen,Müsse zu Rathe gezogen haben. Er selbst würde essich nicht für unanständig gehalten, oder sich aus einerüberflüßigen und verstellten Bescheidenheit geweigerthaben, sie dem Drucke zu überlassen. Noch wenigerist es ihm zu schwer oder zuwieder, einige Bogen inOrdnung zu bringen, und den Druck derselben zu be-sorgen; und so viel Muße, als dazu gehört, würde sichauch schon gefunden haben. Warum habe ich dennnun aber dieses alles übernommen? Die richtigsteAntwort wäre wohl, weil ich unterschiedene GedichteM Händen hatte, die der Herr Verfasser selbst nichtMehr besaß, und ich weit stärker glaubte, als er, daßdielen mit deren Herausgabe ein Gefallen gesche-hen würde. Doch man möchte das nicht für zu-gänglich halten, und da kömmt es mir sauer an, nochoffenherziger darauf zu antworten, und etwas so frey-Müthig zu bekennen, welches andre meines gleichensorgfältig zu bemänteln suchen. Was ist aber zuHuri? Man hat bereits aus der Schule geschwatzt,ich weis, alle meine Leser werden darauf verfal-gen, daß ich gesucht habe, mich durch die Ausgabe^eser Gedichte berühmt zu machen.
Es ist wahr, mich hat ein kleiner Ehrgeiz dazugleitet, und, ich habe gleichwohl das gute Ver-tuen, daß mir meine Absicht nicht zu Wasser werden
wird.