86 Der Oden erstes Buch.
Gestürztes Rom ! Wo ist nunmehrDes Thieres grosse Macht auf Erden?
Welch Königreich wird künftighin so sehrVerführt, bestrickt, bezaubert werden?
Wer nimmt dein schnödes Zeichen an,
Da die den Schandfleck abgethan,
Die sonst dieß Maal mit Stolz und Eifer trugenNur weg damit von Stirn und Hand!
Des Himmels Zorn ist schon entbranntAuf alle, die sich sonst zu deiner Rotte schlugen.
Ä8ie dort vom Klänge der PosaunenGanz Israel und Iosua
Bey Jericho, zwar froh, doch mit ErstaunenSchloß, Thurm und Bollwerk sinken sah;
Man läßt ein Feldgeschrey erschallen,
Und seht, so Thor als Mauren fallen;
Wiewohl kein Mensch die Hand daran gelegt:
So fällt auch Babels Pracht und Schöne,
Bloß durch ein kräftiges Getöne
Des ewigstarken Worts, das Erd und Himmel trägt'
Geht aus aus der verbannten Stadt,
Erlöste! flieht aus Babels Thoren!
Des Greuels Wust, dem sie geopfert hat,
Hat Ansetzn und Gewalt verlohren.
Berühret nichts, was sie geweiht;
Es ist der Afterheiligkeit
Verworfne Frucht und Misgeburt zu nennen;
Des Aberglaubens blinde BrütMag, wie sie gern im Dunklen ruht,
Sich in Aegyptens Nacht von Gosens Sonne trenne»'