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Herrn Johann Christoph Gottscheds ... Gedichte / Johann Christoph Gottscheds / gesammlet und herausgeben von Johann Joachim Schwabe
Entstehung
Seite
108
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IO8

Der Oden andres Buch.

Eo sieht man oft der Krankheit Wuth,Auch in des Lebens Frühlingstagen,

Des Menschen Kräfte, Geist und MuthGanz unverhofft zu Boden schlagen.

Sie reißt die schönsten Körper ein,

Sie schonet Glicht der stärksten Glieder;

Ein unbesorgter LeichensteinSchlägt tausend junge Häupter nieder,freund, börste nur dein mattes HerzDer edlen Dathin nicht gedenken,

Die du, mit ungemeinem Schmerz,

Zu früh in ihre Gruft siehst senken!

O, börsten deine Freunde nurDie herbe Zeitung nicht erfahren:

Sie zahlt die Schulden der Natur,

Und stirbt in ihren besten Jahren!

Aaum hatte dich und sie das Band,Das selbst der Himmel knüpft, umschlungen;Kaum sah man, daß dein Ehestand,

Nach euer beyder Wunsch, gelungen;

Kaum hatte man die Frucht gesehn,

Die von des Höchsten Segen zeuget:

So ists um alle Lust geschehn,

Da deiner Gattin Haupt sich neiget.

Betrübter Wittwer, fasse dich,

Und suche deinen Gram zu stillen,

Das Schicksal selbst erkläret sich,

Und wird sein Werk an dir erfüllen.

Gedenk, es ist die Vaterhand,

Die dennoch liebt, wiewohl sie schlägst;

Und selber jedes EhebandZu trennen, wie zu knüpfen, pfleget.