Buch 
Herrn Johann Christoph Gottscheds ... Gedichte / Johann Christoph Gottscheds / gesammlet und herausgeben von Johann Joachim Schwabe
Entstehung
Seite
118
JPEG-Download
 

Der Oden andres Buch.

HAas Purpur, Gold und Seide träge,

Und was den Leib mit Lumpen decket; !

Was sich in Pelz und Haute schlägt,

Und was im blanken Harnisch stecket;

Was schiffend auf den Wellen schwimmt,

Und in der Erden Höhlen grübet:

Das alles brennt, das alles glimmt,

Wenn es der Liebe Glut belebet.

Der eine lodert offenbar,

Des andern Hitze glimmt im Stillen:

Hier nimmt man reine Flammen wahr,

Dort scheint sie Dampf und Rus zu füllen.Wenn diesen eine Wärme nährt,

Die mäßig, und doch kräftig heizet.

Wird jener durch den Brand verzehrt,

Dazu ihn Sodoms Schwefel reizet.

Beglückt! wen eine Glut erhitzt,

Die von der Tugend selbst entspringet;

So wie es dir im Freyen itzk,

Hochwerthgeschätzte Braut, gelinget.

Die Funken, so in deine BrustZum allererstenmal gedrungen.

Sind nicht von tadelhafter Lust,

Sind von der Keuschheit Stral entsprungen« ,Aein Wunder ists; denn dein VerstandDen alles, was dich kennt, geliebet,

Verdammte stets den geilen Brand,

Dem sich die Lasterbrut ergiebet.

Wer in der Tugendschule sitzt,

Kan nicht so frech und sträflich brennen,

Wird, wo ein schnödes Feuer blitzt,

Sich selbsten nie gerührt erkennen.

5