Siebende Ode.
Er sah der Augen holden Stral,
Die frische Blüthe junger Wangen;
Er sah der Unschuld edles Prangen,
Und Eigenschaften ohne Zahl.
Sein Herz empfand den sanften TriebNach so viel hohen Seltenheiten;
Es war umsonst ihn auszureuten,
Er folgt ihm, und gewann sie lieb:
Und wer beschreibt die frohen Stunden,Darum er sich mit ihr verbunden?
Aier merkt euch doch ein Muster an,Ihr Sclaven von verkehrten Trieben!
Von Seelen, die vernünftig lieben,
Und die kein Vorwurf tadeln kan.
Ein Mann von prüfender VernunftSucht warlich mehr, als Schönheitsgaben;Die sonst zwar viel Verehrer haben.
Doch meistens aus der blöden Zunft,
Die endlich allzuspät bereuet,
Daß sie aus Unverstand gefreyet.
Awar Margaris war gleichfalls schön,Doch nicht nur an Gestalt, zu nennen;
Ihr Wort und Werk gab zu erkennen,
- Wie Geist und Witz den Leib erhöhn.
Was hilft ein zarter Gkiederbau?
Ein Antlitz voller Milch und Rosen?
Die Kunst recht zärtlich liebzukosen?
Und kurz, die allerschönste Frau?
Wenn nicht Vernunft und edle SinnenDes klugen Freyers Herz gewinnen.