Buch 
Herrn Johann Christoph Gottscheds ... Gedichte / Johann Christoph Gottscheds / gesammlet und herausgeben von Johann Joachim Schwabe
Entstehung
Seite
456
JPEG-Download
 

4z6 Neunte Elegie.

Hier fällt ein wackrer Mann, ein Schuß gerechterEin Freund der Billigkeit, des Eigennutzes Feind!Der niemals sich bemüht das Krumme gleich zu ma^^In dessen Fürspruch noch die Wahrheit nicht gewen''Hier spiegle sich die Zahl gelehrter Advocaten,

Wer ihm recht ähnlich ist, der sey damit vergnügt'Wo nicht, so wähle man zum Beyspiel seiner Thaten,Den wohlverdienten Graf, der ißt im Sarge liegt'Wie billig ist der Schmerz der thränenvollen Augen,Die so ein harter Fall mit herben Tropfen netzt?

O könnte nur ihr Salz zu wahrer Lmdrung taugen,

So würd ihr bittrer Strom ganz billig fortgesetzt»Allein ermuntre dich, o Schwester! in dem Leide,

Ein langer Kummer kürzt auch dir daö Leben ab,Wir fühlen selbst die Last von deinem Trauerweide,Doch kröne durch Geduld sein allzufrühes Grab«Ihr Weysen! fasset euch in dem gerechten Kummer,Der Himmel lebt ja noch, der euch den Vater na.MiSgönnt ihm nicht die Ruh in seinem Todesschlu^Obwohl er, wie eö scheint, für euch zu zeitig kaM«Sein Wandel bleibet euch ein Muster wahrer Tuge" ,Sein Leben dienet euch zur Sittenlehrerinn. yVerlaßt euch nur auf Gott, den Vater frommerUnd küsset seine Ruth in dcmuthsvollem Sinn.

Wir selber ehren hier das himmlische Geschicke,

Das unser Lebensziel allein in Händen hat;

Wir gehn von seiner Gruft weit muthiger zurücke,

Und ehren Lebenslang die theure Lagerstatt.

H H A