Sechstes Schreiben. 491
Zweifel krankt uns nur: Wer sonst Minerven liebt,
^ ° gar, daß er darum dem Pindus Abschied giebt,
^ so viel eifriger der Weisheit obzuliegen:
^ bringt ja, wie es scheint, das Dichten kein Vergnügen.^ das thust du, o Freund! Dein kluges Saalathen,
^ Halle, wo du lebst, wird frey heraus gestehn,
Beyer sich bisher den Lehren grosser Weisen^ ganzem Ernst geweiht. Dein Vorsah ist zu preisen.
hasset wohl, o Freund! Sophiens Heiligthum,
L ber es noch nicht kennt ? Die Weisheit bringt ja Ruhm,suchtet den Verstand und lenkt zugleich den Willen.
^ 'E kömmt es, daß wir oft ein Rieß Papier erfüllen,
^ schreiben »«gescheut Gedanken in die Welt,doch anders nichts, als Unvernunft erhellt?
^nipel sind verhaßt. Man schreyt von Fatalisten,Künstlern, Stoikern, und groben Spinozisten;
^ bald man einen merkt, der neue Sätze lehrt.
^ Wissenschaften Lauf und Fortgang wird gestört.
^ kennt die Weisheit nicht, und will sie doch verdammen;
! ^ bischer Tag und Nacht, sucht Wasser in den Flammen;h °^ist und demonstrirt, nach unerhörter Art:
Ai, man einen Lock mit dem Vanninuö paart,
H Adlern Schlangen setzt, und Drachen zu den Tauben,H^angt man schon vorher, der Leser solle glauben,
^ zu erweisen war. Wer sieht die Thorheit nicht?
! ltz ^erkt nicht, daß also das eingegoßne Licht
Witz erstickt; die Gott uns doch verliehen,Wahrheit aus der Nacht der Barbarey zu ziehen.
^ wohl thust du, o Freund! daß du die Weisheit ehrst,! *vas die Blindheit schmäht, mit klugen Männern lehrst»schwarze Bret ein Blatt von dir gewiesen,,bich Minervens Mund, als ihren Sohn, gepriesen.