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Herrn Johann Christoph Gottscheds ... Gedichte / Johann Christoph Gottscheds / gesammlet und herausgeben von Johann Joachim Schwabe
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491
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Sechstes Schreiben. 491

Zweifel krankt uns nur: Wer sonst Minerven liebt,

^ ° gar, daß er darum dem Pindus Abschied giebt,

^ so viel eifriger der Weisheit obzuliegen:

^ bringt ja, wie es scheint, das Dichten kein Vergnügen.^ das thust du, o Freund! Dein kluges Saalathen,

^ Halle, wo du lebst, wird frey heraus gestehn,

Beyer sich bisher den Lehren grosser Weisen^ ganzem Ernst geweiht. Dein Vorsah ist zu preisen.

hasset wohl, o Freund! Sophiens Heiligthum,

L ber es noch nicht kennt ? Die Weisheit bringt ja Ruhm,suchtet den Verstand und lenkt zugleich den Willen.

^ 'E kömmt es, daß wir oft ein Rieß Papier erfüllen,

^ schreiben »«gescheut Gedanken in die Welt,doch anders nichts, als Unvernunft erhellt?

^nipel sind verhaßt. Man schreyt von Fatalisten,Künstlern, Stoikern, und groben Spinozisten;

^ bald man einen merkt, der neue Sätze lehrt.

^ Wissenschaften Lauf und Fortgang wird gestört.

^ kennt die Weisheit nicht, und will sie doch verdammen;

! ^ bischer Tag und Nacht, sucht Wasser in den Flammen;h °^ist und demonstrirt, nach unerhörter Art:

Ai, man einen Lock mit dem Vanninuö paart,

H Adlern Schlangen setzt, und Drachen zu den Tauben,H^angt man schon vorher, der Leser solle glauben,

^ zu erweisen war. Wer sieht die Thorheit nicht?

! ltz ^erkt nicht, daß also das eingegoßne Licht

Witz erstickt; die Gott uns doch verliehen,Wahrheit aus der Nacht der Barbarey zu ziehen.

^ wohl thust du, o Freund! daß du die Weisheit ehrst,! *vas die Blindheit schmäht, mit klugen Männern lehrst»schwarze Bret ein Blatt von dir gewiesen,,bich Minervens Mund, als ihren Sohn, gepriesen.