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Herrn Johann Christoph Gottscheds ... Gedichte / Johann Christoph Gottscheds / gesammlet und herausgeben von Johann Joachim Schwabe
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575
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EinutiddreyßigstesSchmben. 575

Ner fragt nach Witz und Geist, darans ihm selber fehlet?Kein Freyer, der bereits im Geist die Thaler zählet;

Auch keine Braut, die nichts, als Eitelkeit, vergnügt,die des Freyers Werth nach Kutsch und Pferden wiegt»^ie wünschte Putz und Gold, und bunte Libereyen,

Die hat sie durch den Mann: Nun mag sein Thun ihn reuen.Denn sie geht rechts, er links. Ich setze nichts hinzu.

2üer kennt die Weltart nicht ? Ganz anders liebtest du,^ein auserwähltes Herz! Darum hat unser Hoffen^vn beyden Theilen auch weit besser eingetroffen.

Ja,Freundinn! ich fand mehr,als mir meinHerz versprach.Des Freyers Ahndung giebt des Manns Erfahrung ngch.Dein weiser Geist ist mir, durch Hymens sanften Orden,

Aus allem, was du thust, erst recht bekannt geworden.

Dein anmuthsvoller Mund, dein Umgang,Witz und Scherz,Dein kluges Häuölichseyn, dein philosophisch Herz,

Dein ungemeiner Kiel, der Männerwrtz besieget,

Hat mich bisher weit mehr, als alle Welt, vergnüget.

Du hassest Stolz und Pracht, und liebst die Reinlichkeit;

Die Kleidung ziert dich nicht, du zierst ein jedes Kleid.

Dich reizt kein thöricht Spiel, der Abgott schwacher Sinnen;^in Buch und die Musik kan dich weit mehr gewinnen;

Die göttliche Musik, die manche Stunde kürzt,

^nd der Geschähe Last durch Lust und Anmuth würzt.Dadurch es deiner Hand bey mir so sehr gelungen,

A^ jenes Meisters Kunst,der Baum und Fels bezwungen.^0 kaum ich dich kaum halb, als ich dich schon geliebt,

Da die Erfahrung mir nun alles doppelt grebt;

Da deine Tugenden mich täglich mehr ergehen;sM ich mich bey dir nicht doppelt glücklich schätzen!

Ich