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Herrn Johann Christoph Gottscheds ... Gedichte / Johann Christoph Gottscheds / gesammlet und herausgeben von Johann Joachim Schwabe
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576
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576 Ein und drryßigstes Schreiben.

Ich thu es: Aber was? wo bleibt die reine Gunst,Die mir dein Herze weiht? die Neigung ohne Kunst,

Die mir das Leben giebt; dein emsiges Bemühen,

Mir das, was Unmuth wirkt, mit Sorgfalt zu entziehen,Mich stets vergnügt zu sehn? O Freundinn! was du th"^Das zielet sonst auf nichts, als deines Gatten Lust.

Wie trefflich hast du jüngst des Freundes Art beschrieb^Der deine Wahl verdient! Die Kunst war hoch getriebnEs war ein Meisterstück von Geist und Gründlichkeit:

Die Schreibart ist so schön, qls sie zu dieser ZeitDer Beste sehen mag. Ihr, fremde Schreiberinnen'Sollt alle nicht den Preis in Svadens Kunst gewinnen,Wenn sie nebst andern kämpft. Allein, wer glaubet dir,

Geliebte! wenn du schreibst, der weise Freund sey mirIn vielen Stücken gleich? Ach könnt ich dieses sagen,

So wär ich dich doch werth. Wiewohl ich muß beklagtDein Ziel ist mir zu hoch, und meine Kraft zu klein:

Doch wär ich so ein Freund, so müßt ich deiner seyn.

Ich wär es auch mit Lust; denn du allein aufErdenVerdienst so zart, so treu, so klug geliebt zu werden.

Der Himmel gönne dich so lange nur der Welk,

Bis deine Tugend einst den rechten Lohn erhält,

Bis dein Verstand und Witz durch jährlich neueDich auch an Glück und Ruhm, wie du verdienst,

Gott stärke künftig nur des schwachen Körpers Kraft,

Und schenk ihm ehestens des Geistes Eigenschaft,

Der Männerstärke zeigt: So wird die Nachwelt lesen,

Daß niemand so beglückt, als ich durch dich, gewesen.

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