590 Drittes Lehrgedichte.
Das Wort: Getrost mein Sohn! enthält den Ablaßkrani'KeinSchemgrund ist so schwach, kein Einfall klingt so lah'^
Kein Wortspiel ist so schlecht, bey ihm muß alles binden:
So muß sich Babels Thurm aufStroh u.Stoppeln gründet'
Das Evangelium ist dieser Lehrart seind,
Der Schöpfer der Vernunft ist kluger Lehrer Freund,
Und Luther, Gottes Knecht, ist unserm Priesterorden,
So gar im Predigen ein herrlich Mister worden.
Der grosse Mann verwarf so manche Phantasey,
Die Kanzel ward durch ihn von tausend Fehlern frey,
Der Weise von Stagir muß von dem Pulte weichen,
Mein Luther läßt sich nur die deutsche Bibel reichen.
Durch dieses Beyspiels Kraft ist auch das Predigtamt ^
Der Evangelischen entzündt und angestammt;
Man predigt Gottes Wort, man hasset leere Grillen,
Und sucht die Lehren nicht mit Fabeln anzufüllen.
Man fängt das schwere Werk in frühen Jahren an,
Denn weil man wohl begreift, was Fleiß und Uebung ka"/
So sieht man taufende, auf allen hohen Schulen,
Um die belobte Kunst geschickter Redner buhlen.
Auch ihr Geehrteste! die Gott ein Jubelfest,
Nach eures Herzens Wunsch, mit Lust begehen läßt,
Auch ihr müßt insgesammt mit euren Rednergaben,
Den wohlverdienten Ruhm für eure Tugend haben.
Seit hundert Jahren ist der Orden eingesetzt,
Den jedermann mit Recht für einen Garten schätzt,
Darinn manch grosser Mann, zum Vortheil unsrer Sachr^
Und andrer Länder Nutz, zum Lehrer aufgewachsen.
Ihr alle danket Gott, ihr alle freuet euch,'
Und wer die Kirche liebt, erfreuet sich zugleich,