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Herrn Johann Christoph Gottscheds ... Gedichte / Johann Christoph Gottscheds / gesammlet und herausgeben von Johann Joachim Schwabe
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598
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598 Fünftes Lehrgedichte.

Ihr Freunde, folgt ihr dann! ach folgt derFührerinn!Ja, ja! ich kenne schon den ungemeinen Sinn,

Der eure Brust belebt. Ihr nehmt den LehrertittelWohl nicht aus Pralsucht an. Ihr braucht ihn, als einDas andern zeigen soll, was ihr euch wünscht zu seyn.

Der Grund ist schon gelegt, ihr kennet Holz und Stein/Und Marmor und Metall, die ein Gebäude zieren,MinervenS Tempelbau vollkommen aufzuführen.Vollendet ihn beglückt, vermehrt die Wissenschaft,

Es fehlt euch nicht an Lust, es fehlt euch nicht an Kraft«Begnügt euch daran nicht, was ihr von mir gehöret,Forscht selber fleißig nach, was Wolf und Leiblich lehret,Was Holl-und Engelland, und Frankreich uns entdeckt,Und was für Fleiß und Witz in Welschland selber steckt. ^Die Kunst ist nicht erschöpft: Werkansie ganz ergründ^'Wer eine Wahrheit weis, kan hundert andre finden.

Der Wunder sind wir selbst, Natur und Welt so voll,Daß niemand ihre Zahl so leicht ergründen soll.

Drum laßt uns emsig seyn, und keine Mühe sparen!

Was man nicht heute lernt,das kömmt doch mit den Jahre"'Doch dient auch,wie ihr könnt, der Welt durch eurenLehrt andre, was ihr wißt, und nicht ein jeder weis.

Wir müssen unser Pfund, das wir voin Himmel haben,Nicht in den lockern Sand des Müßigganges graben.Bestreiket überall das Vorurtheil der Welt,

Die Philosophen nur für Grillenfänger hält;

Und lasset künftighin in Worten, Schriften, Werken,

Ein philosophisch Thun und weises Wesen merken:

Denn wo nicht selbst die That von wahrer Weisheit sprich ^Da glaubt man Hut und Ring und allen Titeln nicht.

AHA