612
Achtes Lehrgedichte.
Dieß ist die alte Pest, die alles angesteckt;
Die durch ihr Schmähen oft die Großmuth selbst erschreckt»Und wenn sie gar nichts weis, der Tugend Schuld zugeben,Die gröbsten Lügen speyt, ihr etwas anzukleben.
Was einer ausgeheckt und hämisch vorgebracht,
Wird in der ganzen Stadt viel tausendmal belacht,Vergrößert, umgekehrt, vergiftet und vergället:
Wie sonst ein Schneeball wächst, der vom Gebürge fället.So klein er anfangs ist, so greulich wächst er an,
Indem er tiefer rollt, und nirgends ruhen kan,
Bis endlich solch ein Klump, der Mensch und Thiere schrecktEin ganzes Thal erfüllt, und Feld und Dorf bedecket.
Apelles, der einmal so angefeindet ward,
Beschämte, durch ein Bild von sonderbarer Art,
Die schwarze Lästerung, die sich an ihm gerieben:
^)enn anders dacht er nicht die Räch an ihr zu üben.
Er malte rechter Hand den dummen Midas hin,
An dem das Eselsohr den ungeschliffnen Sinn
Und schnöden Vorwitz wies; zwey Weiber ihm zur Seitt^
Dadurch den Unverstand und Argwohn anzudeuten.
Zu diesem eilte sehr die schnöde Lästersucht,
Ein schön geschmücktes Weib; die sonder Scham und ZuckHalbrasend Vorwerks strebt, und zornig im GesichteMegären ähnlich sieht. Die Fackel geht zunichte,
Die ihre Linke trägt, indem die wilde GlutSie ganz verschmelzt und frißt, und ihr fast Schaden thut.Die Rechte schleppt das Haupt der Unschuld bey den Haac^Die einem Jüngling gleicht, der ihren Grimm erfahren.
Er streckt der Arme Paar, so hoch er immer kan,
Und rufft den Himmel selbst um Hüls und Beystand an«Es geht ein Mann vorher, mit eingefallnen Wangen,
Ganz bloß und abgezehrt, wie die, so was begangen. ^