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Herrn Johann Christoph Gottscheds ... Gedichte / Johann Christoph Gottscheds / gesammlet und herausgeben von Johann Joachim Schwabe
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611
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Achtes Lehrgedichte.

6ir

Allein, wie geht eS zu, Freund! der du uns ergeßt,

Daß man im Leben dich so fürchterlich geschäht?

1-lnd daß der Pöbel sich nicht länger kan enthalten,

In unser Klagelied sein Lästern einzuschalten?

Sein schwarzes Thun hat Schuld, daß er die Billigkeit,

Die deinen Mund belebt, so wie das Licht gescheut.

Daher entstund die Furcht, du möchtest Maat und Flecken,Die er zu sehr geliebt, durch deinen Witz entdecken.

Dein Blick durchdrang die Nacht, darin» die Thorheit wohnt,Die tausend Laster heckt, und gern im Dunkeln thront.Umsonst war sie bedacht, ihr lächerlich Bemühen,

Das sie für Klugheit hält, dir gänzlich zu entziehen.

Dein allzuscharfer Sinn erforschte bald den Grund,

^nd ein gesalznes Wort that oft dein Urtheil kund,

Knd wußte mit Vernunft, in ungereimten Werken,

Den Tadel, der sie traf, recht sinnreich anzumerken.

Das war dein Fehler, Freund! dieß hielte man von dir.Dieß rückte dir der Schwärm der Lasterhaften für;

Der selbst so witzig ist, da ihn doch Balken drücken,

Dem Nächsten, der ihn straft, auch Splitter vorzurücken»Durchgeht, dafern ihr wollt, die Gasten unsrer Stadt,fraget jedermann, der nur zwo Lippen hat,

^6ie dieser Nachbar heißt? was er für Titel führet?^omit er sich erhält? wie er sein Haus regieret?

^ ihn sein Weib auch ehrt? wie Sohn und Tochter lebt?<6as er bereits erlangt? wornach er künftig strebt?

^"d was dergleichen mehr für Fragen fallen können;

^enn man der Lästerung ein offnes Ohr will gönnen.

Da wird der größte Thor, der noch sich selbst nicht kennt,^aum seinen Namen weis, recht ausspricht, oder nennt,Doch seines Nachbars Thun, Stand, Wesen und Bemühen^ufs unbarmherzigste durch seine Hechel zichett,

Qq 2 Dieß