424 Xill-Buch. Historie der ostindischenHandlungsgeselschaften.
bekam er daran Gelegenheit, diejenigen, die er hassete, des Hochverraths zu beschuldi-gen , wodurch sie auf einmal ihres Lebens und ihrer Güter verlustig wurden. Um aberdie Sache desto künstlicher zu cractiren, so veränderte er seinen Rath, und besetzte ihnmir lauter Leuten, auf die er sich verlassen konte. Die Confiscation des Vermögensund der Güter vieler unschuldiger Personen, die er unter dem Schein einer besondernAufmerksamkeit auf die algemeine Wohlfarth, verurtheilen und hinrichten lies, sehteihn in den Stand, sich viele verbindlich zu machen, und sich eine grosse Anzahl CreatU-ren zu verschaffen. Dieser neue Lartkina war in Indien von holländischen Eltern ge-boren , und besas von Natur grosse Fähigkeiten, die er durch beständigen Fleis gar sehrgebessert hatte. Seine dunkelbraune Farbe und finstere Miene verriethen die Grausam-keit seines Gemüthes und die Härtigkeit seines Herzens, die ihn von andern Menschtunterscheideten, nicht undeutlich. Er liebete und schützte die Indianer, entweder auseiner natürlichen Neigung, weil sie seine Landesleute waren, oder weil er glaubte, daßsie weniger fähig waren, seine Absichten zu entdecken, und weniger geneigt, die Ausfüh-rung derselben zu hindern. Um sie nun in eine völlige Ergebenheit gegen sich zu bringen,so zog er sie vor, so oft bey seinem Gouvernement Stellen ledig wurden, und zwar wi-der den Befehl der Compagnie, die ihm öfters auferleget, die wichtigsten Stellen ent-weder mit Holländern oder andern Europäern zu besetzen. Dieses trieb er nun einegeraume Zeit mit vieler Arglist, und machte sich durch Geschenke und andere Kunst-griffe eine erstaunliche Menge Crcaturen, die alle bereit waren, ihm in den schändlich-sten Anschlägen Dienste zu leisten a). Indes konte er dieses nicht so treiben, daß nicksteinige von den treuen Dienern der Compagnie einen Argwohn wider ihn geschöpfet; dieauch einen so deutlichen und ausführlichen Bericht von seiner Aufführung nach HolläN^überschrieben, daraus man seine eigentliche Absicht, trotz aller künstlichen Umschläge, er-kennen konte, deren er sich zur Verbergung derselben bedienete. Endlich schickte dieCompagnie den Herrn Versluys gerade nach Ceylon , des Vuisi Stelle einzunehmen,diesen aber nach BatavLa zu schicken, da er wegen seines Verhaltens zur Rechenschastgezogen werden solte. So bald er hier ankam, so wurde er vieler so wol öffentlichstStaatsverbrechen, als auch anderer Laster von allen Seiten her beschuldiget; worausdas Justitzcollegium eine genaue Untersuchung anstellen lies, und sich alle Mühe gab,hinlänglichen Beweis von allem zu erhalten. Endlich und nach einer scharfen Unterstchung bekante er freiwillig, daß er neunzehen unschuldige Personen auf die grauffmstsArt hinrichten lassen; und da er sie unter dem Vorwande der Gerechtigkeit auf die Tor-tur bringen lassen, so hätte er durch die Marter von jeglichem ein Geständnis solcheVerbrechen erzwungen, daran sie niemals gedacht. Dergleichen ungeheure Er-brechen verdienten nun die härteste Ahndung der Gesetze. Das wider ihn gesprochnne Urtheil war dieses; daß er lebendig gerädert, darauf geviertheilet und diese Dick-te! seines Leibes auf einem HolzstoS verbrant, die Asche davon in ein Fas gsth^und ins Meer geworfen werden solte, um damit zu zeigen, daß er keiner andern Eeer-digung würdig wäre. Und dieses Urtheil wurde wenig Tage darauf ohne die geringstLinderung volstrecket b).
^ §-E
a) L'Lxpeämon , 1 s riois Vaisseau« rom. s. p. irs. 127. b) BaSIMge vetcnpüon
quL Louverneinrut äes I?rvvin«s t/mss c. Z7. I-Lxxoclirion ä« rivii Vsrckesux tvx. irg. 127.