!04 Einleitung zur algemeinen Welthistorie
der Fortdauer den Selen auch der Thiere eben sowol zuzuschreiben, als einem jeden auchgeringsten Theilchen der Materie ")» Und diese Lehre von den» Vorherdaseyn der mensch'lichen Selen ist den Muhammedanern nicht unbekcmt gewesen; welche erzälen, daß GOUdie Nachkommen Adains alle auf einmal aus seinen Lenden hervorgebracht, und mit ih'nen einen Bund errichtet, ihn vor ihren Herrn zu erkennen "). Wobey sie vorgeben, daß ab ,le dieselben Menschen wirklich in einem Thal bey Mecca, oder, wie andere sagen, in der E-bene von Dahin in Indien, in der Gestalt der Ameisen, die doch mit Verstand versehen 'gewesen, versamlet worden; und nachdem sie daselbst in Gegenwart der Engel, als Zeugen, 'solche Huldigung abgeleget, wieder in die Lenden ihres grossen Skamvaters zurückkerenmüssen *). Daß auch die Juden einigen Begrif davon gehabt, daß die Selen bereitsvor ihren Leibern daseyn, ist warscheinlich aus der ehemals unserm Heiland getbanen Frage:ob der blindgeborne Mensch selbst gesündiget habe oder seine Eitern, eine so grosse Strafe ver-schuldet zu haben ? Da nun kein Widerspruch gegen diese Meinung erfolget: so haben man-che vermeinet, daß sie mit solchem Stilschweigen gebilliget worden. Dem allen ohngeach-ket, kan doch die gemeine Meinung, der nach und nach vorgehenden Schöpfung der Se-len mit gutem Grunde zugegeben werden. Denn warum sollen wir uns einbilden, daßGOtt nur in einem einigen Augenblick alle seine Schöpferskrast solle geäußert haben, undhernach ein blosser Zuschauer der Folgen derselben geworden seyn, durch Ueberlaffung allerweiter» Wirkungen allein an die Natur, ohne einiges weitere Zuthun -) ? Und wie sollees möglich seyn, daß wenn unsere Sele bereits vor unsern Leibern dagewesen, wir alles An-denken und Bewustseyn davon so gänzlich sollen verloren haben (^).
§. n6.
imell. 8yllem. p. 44. nh c-p. 7 v. ,7;. ») S, blliliolk. 0n-m. p. 54,
e^lcor. xi. 29O. I') 9/ 2. r) InreU. 8>tt. 1. e. ^
(91. B.) Alle drey Meinungen vom Ursprüngeeinzeler Selen der Menschen haben ihre Schwierig-keiten. Die Meinung vorn Entstehen derselben durchUeberfürung oder Zeugung von den Eltern ist sonder-lich seit Auguslini Zeiten in der abendländischeilKirche häufig angenommen worden, weil man ge-glaubt, daß die natürliche Fortpflanzung der Erb-sünde damit besser bestehen, ja daraus einigermas-sen erklärt werden könne. Aus der Aenlichkeit derFortpflanzung des Geschlechts in andern Geschöpfenläst sich zum Behuf derselben nichts schließen, weildas Entstehen der Selen in denselben durch Zeu-gung, von Widersachern solches Ursprungs mensch-licher Selen eben so wenig zugegeben wird; vonKörpern aber auf einfache Dinge nichts gefolgert wer-den kan. Gegen die allster vorgebrachte Beschuldi-gung des Wiederspruchs und Streits solcher Mei-nung mit der einfachen Untheilbarkeit und Unsterb-lichkeit der Selen, haben sich die Vertheidiger der-selben durch die feierlichsten Versicherungendes Ge-gentheils und sorgfältige Behauptung dieser War-heiten gnugsam verwaret: aber eben dadurch dieUnbegreiflichkeit der Meinung selbst desto deutlicherdargethan; indem die dabey zur Ablenung aller Mis-den'tung nötige Einschränkungen endlich nichts übriglassen, das von der Dejchaffenheit solcher Zeugunggedacht werden könne, als welches bey allen gebrauch-
ten Erleuterungen durch Gleichnisse vom Anzünde«eines Lichts und Vervielfältigung des Schals gesche-hen müssen. Die jedesmalige unmittelbare Schö-pfung derselben von GOtt läst sich am schwerstenmit der Fortpflanzung der Erbsünde verbindet;, obsolches gleich nicht ganz unmöglich ist. Nach demLehrbegrif der blossen Gelegenheiten aller Mittelur-sachen natürlicher Veränderungen, dabey GOtt zureinigen wirkenden Ursach derselben überhaupt ange-nommen wird, ginge solches am geschwindesten a»,liesse sich auch die allster angefürte Schwierigkeit,von Unanständigkeit solcher Schöpfung bey sündli-chen Zeugungen, am leichtesten heben: wenn nurnicht solcher ganze Lehrbegrif selbst unbegreiflich undunerweislich, ja den unbeantwortlichsten Schwierig-keiten unterworfen wäre. Daß GOtt sonst ein müs-stger Zuschauer seiner Geschöpfe seyn würde, berührtauf irrigen und mangelhaften Begriffen von seinerVorsehung, Erhaltung, Mitwirkung und Regierungaller Dinge oder mittelbaren Wirkungen desselben,und beweiset viel zu viel. Die gemeinste kan diese zwei-te Meinung nur in Absicht auf Engeland und ei-nige andere Gegenden der reformirten Kirche g^nam werden, indem sonst in der römischen son>o»als unserer Kirche die erste den stärksten Beifal ge-habt. Die dritte Meinung von der anfänglicheinmal geschehenen Schöpfung aller menschlichr"
Sele»