dritter Abschnitt loz
denselben unmittelbar von GOtt ertheilet, oder ob sie aus den Eltern übergefüret werdenund von denselben herrüren ? Die letztere Meinung ist daher behauptet worden, weil alle an-dere Geschöpfe das Vermögen haben, ihre Art volständig fortzupflanzen; woraus zu folgenscheinet, daß Menschen gleiches Vermögen haben: ingleichsn, weil Kinder gar oft eine grosseAenlichkeit der Gemütöfassung und Neigung mit ihren Eltern haben; und endlich, weil esGOtt unanständig seyn würde, so oft neue Selen zu schaffen, als Menschen verschiedenenGeschlechts gereizt werden ihren natürlichen Trieb zu erfüllen. Allein, nach dieser Mei-nung ist es kaum möglich, die einfache Beschaffenheit und Unsterblichkeit der menschlichenSele zu behaupten. Denn wenn die Sele durch natürliche Zeugung fortgepflanzet wird;so mus dieselbe, unserm besten Begrif nach, notwendig materialisch, mithin der Ver-nichtung und Auflösung unterworfen seyn Daher es weit vernünftiger ist, zu glauben,daß ob gleich GOtt die Bildung unserer Leiber der Wirksamkeit der Mittelursachen überlas-sen; er doch die Erschaffung unserer Selen ihm selbst vorbehalten habe, der der Vater undEDtt der Geister alles Fleisches ist 0-
§. » 5 -
Auch hak man gestritten: Ob die Selen aller Menschen zugleich mit der Sele A- Fortsetzungdanis erschaffen worden, um künftig mit gewissen vor sie bereiteten Leibern verbunden zu des vorigen.
werden, oder ob sie vielmehr nach und nach erschaffen worden, so wie die Körper, die siebeleben sollen, fähig werden sie aufzunemen? Diejenigen unter den alten Weltweisen, wel-che geglaubt, daß die Sele ein vom Leibe unterschiedenes Wesen sey, als pychagoras,Empedocles, plars, haben auch behauptet, daß alle Selen in der Welt bereits vorherdagewesen seyn müffen, ehe bey jedesmaliger Zeugung ihre Wanderung in den einer jedenvestimten Leib geschehe. Und diese Meinung ist nicht blos auf menschliche Selen einge,schränkt gewesen, sondern hat sich überhaupt auf alle Arten der Selen und Leben erstreckt.
Denn die alten Weltweisen sind so entfernt gewesen, den Thieren alle Empfindung und Be-wustseyn abzusprechen, daß der gröste Theil derselben ihnen sogar das Vermögen zu ver-nünftiger Einsicht beigeleget s) , ob sie gleich nicht fähig seyn ihre Gedanken auszudrucken,NlleMcnschen thun. Aus diesem Grunde haben einige unter ihnen dafür gehalten, daß diesel-ben ohne Unterscheid aus Menschen in Thiere, und aus Thieren in Menschen wandern, undöie blosse Verschiedenheit der Werkzeuge, und Bestimmung der Materie, mit der sie ver-bunden seyn, den Schein des Unterschiedes ihrer Kräfte verursache. Verschiedene unterben ersten Christen haben gleichfals dieses Vorherdaseyn der Selen geglaubet, und zwaraus dem Grunde, daß es unanständig sey, GOtt unaufhörlich auf den Schauplatz zu brin-gen , und eine unmittelbare Verrichtung desselben durch wunderthätige Hervorbringung derSele aus Nichts, bey jeder Zeugung der Menschen vorzustellen. Jachiese immerwärende Er-Raffung und Zernichtung der Selen unvernünftiger Thiere ist vor so unwarscheinlich ge-halten worden, daß sich manche eingebildet, diese Selen seyn nichts anders als Ausflüsse derobern Quelle des Lebens, welche alle Materie belebe, die derselben empfänglich, und fähig istdavon bewirket zu werden, so lange sie solche Fähigkeit behalte; die sich aber wieder ent-gehen und in ihre ursprüngliche Quelle zurückkeren, sobald diese organische Körper unfähiggeworden weiter belebet zu werden; indem es nicht ungereimt scheine, eine Unaufhörliche
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