Band 
Erster Theil.
Seite
164
JPEG-Download
 

Die alte Sage, welche gewiß am reinsten in Livius erhalten ist, weiß nichts von der Ausartung seiner ruhm-vollen wenn auch nicht tadellosen Herrschaft, in harte undverhaßte Willkühr. Nur von seiner Leibwache hat sie ge-redet, dreyhundert Celeres oder Reutern, welches dochMißverständniß einer alten Nachricht seyn mochte daßnach der ursprünglichen Verfassung hundert Reuter ausjedem Stamm waren. Er heißt vielmehr sonst ein popu-lärer König, nur dem Senat verhaßt, den er aus denFreygebohrnen erwählt hatte: hundert Vatern, nach allge-meinem Recht der alten Welt seinen, Neichsrath. DieBitterkeit des Hasses der Stande mag aber vielleicht schonin alter Zeit die Beschuldigung eines Mordes gegen dienicht mit Unrecht großer Frrvelthaten fähig geachteten Pa-tricier in die Erzählung, wie Nomulus von der Erde ent-rückt ward, gemischt Haben. An einem gräßlichen Tage,da Orkan, Wolkenbruch und Gewitter das Volk verjag-ten während der König es musterte oder anredete, ver-schwand er. Die Römer harrten ängstlich auf seine Rück-kehr, bis Proculus Julius, dem der Vergötterte auf demWege zur Stadt erschienen war, ihnen in seinem Nahmengebot ihn als O.uirinns anzubeten.

Der Senat verweigerte dem Volk anfangs die Wahleines neuen Königs: für sich selbst nahm er die königlicheGewalt. Die zehnfache Eintheiluug gab zehn Decurienvon je zehn Senatoren, wie der Rath von Athen sich inzehn Prytanieen für das Jahr theilte. Dieses verführtewohl Dionysius wenn er jeder Decurie fünfzig Tage höch-ster Verwaltung, und jedem Senator derselben wahrend