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alle die Eigenschaften Valoren, wel-che den Reim entbehrlich machen?War die Cultur im Ganzen dahingediehen, daß jener, aus bestimm-ten Längen und Kürzen, Höhen undTiefen entstehende Gesang nicht mehrallgemein geachtet und gefühlt wur-de? Und bildeten sich vielleicht dieeigentlichen Dichter nach den Wer.ken ihrer Vorgänger, und dem Ge.schmack der Bessern und Unterrichte-ten gemäß, so wie jene Reimer nachGeist und Sinne des großen Hau-fens, und nach dem Zustande derSprache des Umganges? Oder nah-men si» jde»f Reim von andern Völ-kern an? Mit der Litteratur der ge-bildeten, morgenländifchen Völker,welche den Reim vielleicht kannten,scheinen die Kirchenvater nicht be-kannt gewesen zu seyn. Die Araberspielten im aten und ztcn Jahrhun-derte noch keine solche Rolle, daßdie Abendländer, und besonders dieKirchenvater, von ihnen hätten vielannehmen sollen; ihre Dichtkunstselbst war noch lange nicht in derBlüthe; und in der hebräischenSprache soll er sich nicht finden.Auch die Nordischen Völker waren zudieser Zeit noch nicht die Herren derAbendländer, um, wofern sie schonden Reim gekannt hätten, ihn diesenmittheilen zu können. Sie hattenihn aber damahls, meines Vedün-kcns, noch nicht; er hat sich, wahr-scheinlicher Weise, spater, aus denv diesen Völkern eigenen Sylbenmaßen,heraus gebildet, oder doch, ohneBeyspiele, aus andern Sprachen,aus ihnen herausgebildet werdenkönnen. Aug. Ludw. Schlötzer, ins. Neuesten Geschichte der Gelehr-samkeit in Schweden, B. 2. S.287.zeigt, daß erst ums Jahr 1150 derReim in die Schwedische Spracheeingeführt worden sey; und in denReliques of ane. Engl. Poetry,Dd.2. S. 276. 2te Ausg. finden sichsogar, Beyspiele von Gedichten aus
dem Anfange des löten Jahrhun-derts, wo Alliteration und Reimnoch mit einander verbünde», undder Reime noch wenige sind; so wie,aus der Mitte des t4ken Jahrhun-dertes noch ein ganzes, nach den Re-geln der Allitération abgefaßtes Ge-dicht ( Pierce Plowman’s Visions )vorhanden ist. Es bleibt also bey-nahe nichts übrig, als ihn aus demVerfall des Geschmackes in der la-teinischenDichtkunst, und der Spra-che selbst, so wie aus den Eigenhei-ten der neueren Sprachen entstehenzu lassen; und Velazquèz hat, unterandern, in seiner Geschichte der spa-nischen Dichtkunst, S. 278. deut-scher Uebcrsetzung, die Uebereinstim-mung zwischen den lateinischen undden frühesten spanischen Reimen deut-lich gezeigt. — Bey der fernern Ge-schichte des Reimes, in den lamm-scheu Gedichten, und wie er darinimmer mehr und mehr die Oberhandgewonnen, und zuletzt die ekelhafte,stcn Spielereyen veranlaßt hat, halteid) mich hier nicht auf; ich setze nurhinzu, daß in diejenigen Sprachen,welche aus und zum Theil nach derlateinischen vorzüglich gebildet wor-den sind, in die italienische, franzö-sische, spanische, und sogar in dieSprachen der nördlichen Länder (insofern in diesen die Lehrer aller Artihre Gelehrsamkeit in der lateinischenSprache erworben harten) der Reim,da er in jener einmahl eingeführtwar, sehr natürlich, ohne daß esdazu weder der Araber, noch der nor-dischen Gylbenmaße bedurfte, hateingeführt werden können; aus wel-chem allen sich denn von selbst er-zieht, daß die von Sulzer angege-bene Geschichte des Reimes, und dieMeinung des Huct und Masficu,ganz ohne Grund sind. Auch haben,wie ich eben itzt finde, mehrereSchriftsteller, z. B- Fauchet zum
Theil (Orig. de la) langue et Poesiefranç. Liv. I. Chap.7. Oeuvr. Par.
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