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Augsburg uud endlich die ganz neuen Verfahren von Cadoret und Lang-hans. Befassen wir uns zunächst mit dem ersten dieser im Grundprinzipähnlichen, in den Einzelheiten jedoch voneinander unabhängigen Er-findungen.
Folgendes sagt de Chardonnet in seiner ersten Veröffentlichung 1 ).Die zur Herstellung künstlicher Fäden benutzte Flüssigkeit ist eine ArtKollodium, welches durch Auflösung von Pyroxylin, eines reduzierenden Me-tallchlorürs und einer kleinen Quantität einer oxydierbaren organischenBasis in einer Mischung von Äther und Alkohol erhalten wird. Man löst100 g Pyroxylin (aus Holzstoff, Strohpapierzeug, Baumwolle, Lumpen, Fliess-papier oder dergl.), 10—20 g des Eisen-, Chrom-, Mangan- oder Zinnchlorürsund ungefähr 0,2 g einer organischen Base, z. B. Chinin, Anilin, Rosaniliu,Nikotin, Brucin, Cinchonin, Atropin , Morphin , Salicin oder Coffein (?) in2—5 1 eines Gemisches von 4 Teilen Äther und 6 Teilen Alkohol, y DemGemisch setzt man noch einen löslichen Farbstoff zu, um dem künstlichenFaden eine bestimmte Farbe zu verleihen. Die so hergestellte Flüssigkeitlässt man durch ein enges, in einer kalten Flüssigkeit, z. B. Wasser, befind-liches Mundstück austreten, wodurch der ausfliessende Strahl sofort zu einemFaden erstarrt. Derselbe stellt sich dar als ein sehr starres Röhrchen,dessen innerer Teil noch flüssig bleibt. Man kann dann diesen Fadenausserhalb des Wassers weiter ausziehen und so eine äusserst dünne, durchihren Glanz der echten Seide nahestehende künstliche Faser erzeugen.
Die Cellulose muss für den zweckentsprechenden Nitrierungsprozess inpassender Weise vorbehandelt werden 2 ). Die Cellulose (Holzcellulose, Holz-paste, Baumwolle, Papierteig, Holz-, Stroh- oder Lumpenpapier, Seideu-papier etc.) wird zu diesem Zweck zu einer Watte zerrissen und in einemStrom trockener Luft von 150—170° oder mit Dampf von 140—160° er-hitzt, um die inkrustierenden Bestandteile der Rohcellulose (Lignin, Cuti-cularsubstanz etc.) zum Zerfall zu bringen und bei der Nitrierung ein Pro-dukt zu gewinuen, das in den gewöhnlichen Lösungsmitteln vollkommenlöslich ist und zwar eine Lösung von 20—25 % ergiebt. Die noch lau-warme Cellulose wird direkt in das Nitrierungsbad gebracht; dasselbe be-steht bekanntlich aus einem Gemisch von konzentrierter Schwefelsäure undSalpetersäure und führt die Cellulose in Octronitrocellulose über. Auf 1 kgCellulose kommen 9 1 Salpetersäure vom sp. G. 1,3 (48°/ 0 IIN0 3 ) und 15 1Schwefelsäure vom sp. G. 1,835 (93°/ 0 i/ 2 S0 4 ), welches Gemisch bei einerTemperatur von 28—30° 12 bis 24 Stunden einwirkt 8 ). Die Verstärkungder Nitrierbäder behufs weiterer Benutzung geschieht in der Weise, dass zuje 85 Vol. des alten Bades 15 Vol. eines Säuregemisches, bestehend aus3 Vol. Salpetersäure 1,48 sp. G. auf 4 Vol. monohydratierter Schwefel-säure, zugesetzt werden. Es ist vorteilhaft, die Nitrierung in kleinen