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Zweiter Band.
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Chemisches Verhalten der Kollodiumseiden.

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leicht löslich, während die Chardonnetseide, die nur oberflächlich denitriert,weniger vom Reagens angegriffen werde, im ganzen aber als ein höher ni-triertes Pyroxylin unlöslich sei, erscheint weniger leicht verständlich, daauch die Pyroxyline grösstenteils mit Kupferoxydammoniak eine Lösunggeben, die im Gegensatz zu der der Cellulose übrigens durch Säuren nichtausgefällt wird; vielmehr dürfte das abweichende Verhalten der Chardonnet-seide auf die Molekularveränderuugen zurückgeführt werden, welche sie ent-weder bei der Herstellung oder bei der Denitrierung erfährt. Die echteSeide wird durch Schweitzers Reagens stark angegriffen. Sie verwandeltsich fast augenblicklich in eine schleimige Masse und löst sich langsam,ohne dass, wie bei der Chardonnetseide, Schuppen oder eine oberflächlicheQuellung bemerkbar wären. Die wilde Seide widersteht der Behandlungeinige Zeit, löst sich aber dann ebenfalls auf. Die Seide von Lehner solldem Kochen mit Wasser und der Behandlung mit Alkalien und Säurenebensogut widerstehen, wie die Maulbeerseide. Durch die alkalische Kupfer-glycerinlösung wird die Kollodiumseide (von Chardonnet ) nicht gelöst; mankann daher dieses Reagens zur Trennung der echten Seide von der künst-lichen anwenden. Man behandelt eine Probe des zu untersuchenden Ge-webes in dieser Flüssigkeit etwa eine halbe Stunde, wobei die echte Seideaufgelöst wird, wäscht die zurückgebliebene Kollodiumfaser zunächst mitverdünnter Salzsäure, dann mit Wasser aus, trocknet vorsichtig und wiegt.Behufs Kontrolle fällt man aus der Kupferlösung noch das Fibroin mitSäureüberschuss aus und wiegt es.

Durch kochende Millonsche Lösung (salpetersaures Quecksilberoxydul-oxyd) wird die Vivierseide ockerfarbig gefärbt, während die Chardonnetfaserfarblos bleibt, weil, wie erwähnt, nur in der ersteren albuminoidartige Zu-sätze enthalten sind.

Eine gesättigte Chlorzinklösung ist das beste Lösungsmittel sowohl fürnatürliche, wie für künstliche Seide. Lediglich die Temperaturverhältnisselassen sich behufs Unterscheidung und Trennung herauziehen. Bei 100 bis110° löst sich die echte Seide, bei 110—120° die Chardonnetseide unterheftigem Aufbrausen auf. Bei 130—140° verschwindet die Vivierfaser uuderst bei mehr als 145° die wilde Seide.

Gegen Jodlösung verhält sich die Kollodiumseide je nach ihrer Her-kunft verschieden. Die Holzstoffseide ist gegen Jod, ebenso wie das Roh-material selbst, auch bei längerer Einwirkung vollständig indifferent. Dieaus Baumwollfaser gewonnene Seide gleicht in dieser Beziehung ihrem Roh-stoff und der echten Maulbeerseide; sie nimmt Jod reichlich auf, indem siesich intensiv braun färbt.

Uber die chemischen Prozesse bei der Gewinnung künstlicher Seidenliegt gegenwärtig noch nichts Bestimmtes vor, wenn daher im nachfolgendenversucht wird, diese Frage vom wissenschaftlichen Standpunkte einigermafsenzu beleuchten, so geschieht dies mit allem Vorbehalt.

In den Anfangsjahren der Fabrikation war man geneigt, die höheren