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Verhalten der Kollodiumseiden gegen Farbstoffe.
Produkt enthalten sein. Die technischen Gespinste sind indessen auch indenitriertem Zustande stets stickstoffhaltig, obwohl es fast sicher ist, dassdas Material weder Nitro- noch Amidogruppen enthält. Entstehen vielleichtdabei die Nitrosogruppen oder ist der Stickstoff in freiem, jedoch stark ab-sorbiertem, gleichsam gelöstem Zustande vorhanden, etwa wie in der Knochen-kohle ?
Über das Verhalten der künstlichen Seide gegen Farbstoffe liegen vor-derhand noch spärliche Angaben vor. Die Chardonnetseide lässt sich wäh-rend des Denitrierungsprozesses in erweichtem Zustande von den Farbstoffenund Beizen gut durchdringen. In gewöhnlichem trocknem Zustande färbtsie sich ohne Schwierigkeiten in alkoholischen Farbstofflösungen, natürlichbei nicht zu hoher Temperatur, weil sonst die Faser selbst durch die Hitzeund den Alkohol beeinflusst werden würde. Die Affinität der künstlichenSeiden für Farbstoffe ist eine Funktion ihrer chemischen und morphologi-schen Struktur. Färbt man in einer einprozentigen Fuchsinlösung echte,wilde und künstliche Seide, so erhält man auf der wilden Seide nur einehelle Nuance, während sich die anderen dunkel, aber in verschiedener Ton-stärke färben. Der verschiedene Echtheitsgrad der Fixierung geht daraushervor, dass beim Waschen mit ammoniakalischem Wasser zuerst die Tussah,dann die Vivierseide, noch langsamer die Chardonnetfaser und am lang-samsten die Maulbeerseide entfärbt wird.
In Bezug auf das Färbungsvermögen der künstlichen Seide ist folgendeältere Mitteilung von Interesse. Bereits 1856 beschrieb Kuhlmann dieEigenschaften des Pyroxylins in Hinsicht auf sein Verhalten gegen Farb-stoffe und Beizen 1 ). Seine Versuche ergaben, dass die Nitrocellulose, trotzihres, dem der animalischen Faser ähnlichen Stickstoffgehalts, sich gegenBeizen und Farbstoffe sehr inaktiv verhält, dass aber durch Eisenchlorür(nach dem Vorgang Bechamps) oder durch freiwillige Dissoziierung an derLuft denitriertes Pyroxylin das Vermögen, die Farbstoffe aufzunehmen, ineinem der echten Seide uud der Wolle gleichkommenden Mafse zeigt. DieseThatsache spricht dafür, dass die Faser beim Denitrieren weder chemischnoch morphologisch ganz in den Zustand der gewöhnlichen Cellulose zurück-verwandelt wird, und dass dabei ihre molekulare Beschaffenheit, die ihreAufnahmefähigkeit für Farbstofflösungen und dergl. bedingt, eine durch-greifende Umgestaltung erfährt. Die mikroskopische Untersuchung gefärbterKollodiumseiden zeigte keine besondere Verteilung des Farbstoffs, die Fasererscheint vielmehr gleichmässig tingiert. Die geeignetsten Farbstoffe sinddie basischen, einerseits ihrer Färbekraft und Tonfülle wegen, andererseitsweil ihr Aufgehen und Durchdringen der Faser auch bei verhältnismässigniedrigerer Temperatur (30—35°) gut von statten geht. Man färbt ambesten in einem Wasserbade, das mit etwas Essigsäure versetzt ist. Schwach
') Compt. rend. de l’Ac. Sc. 1856.