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Zweiter Band.
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Struktur der echten Seide.

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beobachten; der innerste Teil erhält sich bisweilen für einige Minuten alsfestes, walzenförmiges Stäbchen, während die äusseren Teile, ohne deutlicheSchichtung zu zeigen (bei der echten Seide), bereits aufgequollen sind undunmerklich zerfliessen. Bei wilden Seiden, Wolle und anderen tierischenGespinstfasern tritt bei solcher Behandlung stets die Zergliederung in einzelneoder gruppierte Faserelemente ein. Das Verhalten, das im Gegensatz zudiesen die Maulbeerseide zeigt, beweist ihre fast absolut strukturlose Be-schaffenheit.

Da das Fehlen der Luftkanäle in der echten Seide experimentell fest-gestellt worden ist, bei der mikroskopischen und mikrochemischen Unter-suchung einiger Maulbeerseiden sich jedoch eine deutliche Längsstreifungzeigt, welche noch schärfer hervortritt, wenn man die Faser vorher mitChromsäure maccriert, wobei der Bast augenblicklich gelöst wird, so er-scheint es wahrscheinlich, dass auch die echte Seide aus einzelnen Fibrillenaufgebaut und nur der Unterschied in der chemischen und physikalischenBeschaffenheit der Faserelemente und der Gruudmasse bei ihr viel geringer ist,als bei der wilden Seide. Um die Fibrillen der echten Seide zur Anschauungzu bringen, färbt man sie mit Jodtinktur, lässt sie mit verdünnter Schwefel-säure aufquellen und vom Rande des Deckglases her konzentrierte Schwefel-säure hinzutreten. An den Stellen, wo die richtige Konzentration der Säurezu stände kommt, löst sich nur die Grundmasse auf, während braune,parallellaufende Fibrillen Zurückbleiben. Heisse konzentrierte Salzsäure löstdie echte Seide innerhalb einiger Minuten, die wilde in 5—8 Minuten aufdem Objektivglase auf. Die Sericinhülle quillt dabei sehr stark an, dochohne sich zu lösen, und bleibt als hohler, gekräuselter Schlauch zurück.In der Kälte quillt das Sericin auf und erscheint als hyaline Schicht; mankann daher Salzsäure benutzen, um den sonst nicht wahrnehmbaren Bastnachzuweisen. Wilde Seiden quellen ebenfalls auf: die Tussah und die Seidevon A. Faidherbii sehr stark, die Aylanthusseide weniger (25—50°/ 0 ); sielösen sich aber erst nach geraumer Zeit auf.

Die wilde Seidenfaser zeigt an ihrer Oberfläche häufig abgeplatteteStellen, die von der Kreuzung und dem dabei stattfindenden Druck einzelnerFasern im Kokon herrühren. An diesen Kreuzungsstellen, wo der Kokon-faden schneller erhärtet, als anderswo, sind die einzelnen Fibrillen zusam-mengedrückt und die Luftkanäle so zusammengepresst, dass die Luft ausdenselben fast ganz verdrängt worden ist und sie deswegen als lichtereFlecke hervorscheinen. Werden die wilden Seidenfasern in stark licht-brechende Mittel, z. B. in Kanadabalsam eingeschlossen, so erscheinen dieKreuzungsstellen, da sie keine Luft enthalten, durchsichtig, die übrigen Teileder Faser aber schwarz.

Wie gesagt, enthält die Maulbeerseide keine Luftkanäle, ebensowenigdie gezüchteten Rassen der Yamamay- und Aylanthusseide. Dagegen weisendie wilden und halbgezüchteten Species der beiden letzteren Seidenarten diecharakteristischen Längsstreifen auf.