296
Die Echtfärberei. Alizarinfarben.
bracht, daun mit 2% Chromkali eine halbe Stunde hei 60° nachoxydiert,eine Stunde kochendheiss geseift und aviviert. Nach einem anderen in-direkten Verfahren werden drei Lösungen, nämlich 3 Pfund Anilinöl,3 Pfund Salzsäure in 5 1 Wasser, 6 Pfund gelbes Blutlaugensalz in 20 1Wasser und 5 Pfund Kaliumchlorat in 25 1 Wasser zusammengemischt unddie Seide in diesem Bade kalt 1 / 2 Stunde behandelt, hierauf leicht aus-gewunden und im Trockenzimmer bei 50° etwa 15—20 Minuten getrocknet,dann bei 5—10 Pfund Druck eine halbe Stunde lang gedämpft und ineinem Bade aus */* Pfund Chromnatron pro 5 1 Wasser nachoxydiert, zumSchluss gespült, geseift und gewaschen. Statt Anilinchlorhydrat Anilin-sulfat zu verwenden ist nicht zu empfehlen, da das letztere weniger löslichist und sich daher zuweilen im Bade abscheidet; eine geringe MengeSchwefelsäure (0,1 °/ 0 ) übt dagegen, dem Färbebade zugesetzt, auf dieNuance eine günstige Wirkung aus.
Es giebt viele Fälle, wo die gefärbten Seidengespinste nicht nur wasch-echt, sondern vollkommen walkecht sein müssen. Man verwebt vielfachfarbige Seide mit farbloser oder farbiger Wolle und Baumwolle und unter-wirft die Stücke Reinigungsprozessen, welche diese Gewebe in der Appreturdurchzumachen haben, also Walken, Schwefeln etc.; hier müssen die Farbennicht bloss waschecht, sondern auch alkaliuuempfindlich sein. Mitunterwerden farbige Organzin und Trame mit Grege verwoben, um dann denEntbastungsprozess durchzumachen; in diesem Falle müssen die Farbenlängerer Eiuwirkung kochender Seife widerstehen können. Bei dunklenStoffen, z. B. wollfarbigen Kammgarngeweben, wo die Seide als Effektfadendient, genügt es, wenn die Farben von alkalischer Seifenlauge nicht ange-griffen werden; anders verhält es sich jedoch mit den weissen oder hell-farbigen Stoffen, wobei die Farben seifenecht sein müssen und auch nichtim geringsten bluten dürfen. Ebenso dürfen bei dunklen stückfarbigenStoffen unter Umständen sogar wenig blutende Farben gar nicht Vorkom-men, namentlich wenn baumwollene Leisten vorhanden sind, die weissbleiben sollen.
Die Alizarinfarben liefern zwar nicht die glänzendsten, aber um soechtere Nuancen. Die Verwendung derselben ist eine ziemlich beschränkte.Die einheitlichen Alizarinfarbstoffe liefern rote, orange, gelbe, braune, vio-lette, indigo- und marineblaue, olivgrüne und braunrote Nuancen und zeich-nen sich, in regelrechter Weise aufgefärbt, durch fast absolute Walk- undWaschechtheit, und mit wenigen Ausnahmen und in nicht zu hellen Tönen,auch durch grosse Licht- und Luftbeständigkeit aus. Man beizt mit Alaunoder salpeteressigsaurer Thonerde (Nitratbeize) von 10° Be, unter Zusatzvon 500 g Zinnsalz pro 100 1 Beizflotte für besonders feurige Töne. AlsChrombeizen benutzt man Chromchlorid, Chromfluorid oder chromsauresChrom in mehr oder minder basischen Lösungen, welche Beizen als tech-nisch reine Produkte in den Handel kommen. Als Eisenbeize wird das ba-sisch schwefelsaure Eisen von 20° Be verwendet. Man beizt in einem je