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Wollseidenfärberei. Praxis.
seits und dem der Farbstoffe andererseits zusammen. Farbstoffe von starksaurer Natur, die viele saure auxochrome Gruppen, wie Sulfoxyle, enthalten,färben meist nur die Wolle an, während diejenigen, in welchen der saureCharakter hinter dem basischen zurücktritt, in denen beispielsweise Araido-gruppen neben Karboxylen Vorkommen, und solche, in welchen die basischen diesauren Eigenschaften überragen, was der Fall ist, wenn viele Amidogruppenneben wenig sauren vorhanden sind, sich in gleichem Mafse auf Wolle undSeide fixieren, bezw. nur die letztere anfärben. Setzt man hier eine Mit-wirkung chemischer Kräfte voraus, so wird man zu dem Schluss kommen,dass die basischen Eigenschaften der Wollfaser stärker hervortreten, als dieder Seide, während es sich mit den sauren umgekehrt verhält. Wenn sichauch im allgemeinen nicht verkennen lässt, dass die basischen Farben dieSeide, die sauren aber die Wolle bevorzugen, und dass Farbstoffe, bei denendie basischen und sauren salzbildenden Gruppen in einem gewissen Gleich-gewicht zu einander stehen, auf beide Fasern gleich stark aufgehen, sokommen doch noch die verschiedensten Umstände hinzu, die dieses Verhaltenbeeinflussen. Wie anlässlich der theoretischen Betrachtung des Färbepro-zesses erwähnt worden ist, scheinen die Ursachen allem Anschein nachin den Lösungsverhältnissen der Farbstoffe und der relativen und absolutenGrösse ihres Molekularvolumens zu liegen.
Es ist bereits früher ausgeführt worden, dass viele Farbstoffe für Seidenicht bei der Siedehitze die grösste Affinität zeigen, sondern bei 60—70°;dieser Umstand im Verein mit der Thatsache, dass die Wolle zur Fixierungder meisten Farben einer Temperatur von ca. 100° bedarf, kommt beimFärben der Wollseidenstoffe zu statten, indem es möglich wird, beim Kochender Flotte die Wolle, beim Abkühlen derselben die Seide zu färben. DieZusammensetzung der Zusätze beim Färben ist von nicht geringerer Be-deutung als die Temperaturverbältnisse und wird ausgenutzt, um in den-jenigen Fällen, wo die Farbstoffe verschieden stark aufgehen, das Gleich-gewicht herzustellen. Hat man z. B. mit Farbstoffen zu thun, die die Seidebedeutend stärker anzufärben pflegen, so empfiehlt es sich, die Wolle imFärbebade selbst gleichsam vorzubeizen, was in folgender Weise geschehenkann. Man versetzt die Flotte mit einigen Prozenten Weinstein und bringtsie zum Sieden, wodurch das Salz lediglich von der Wolle absorbiert wird;alsdann unterbricht man das Kochen und fügt die doppelte Menge phos-phorsaures Natron hinzu, das zum grössten Teil von der Seide aufgenommenwird. Da nun das Bad seihst eine sehr schwach saure, fast neutrale Re-aktion besitzt, so wird beim Zusatze von Farbstoff das verhältnismässigschnellere Anfgehen desselben auf die Seide dadurch aufgewogen, dass dieWollfaser für sich allein durch Säure vorgebeizt und dadurch zur energi-scheren Farbstoffaufnahme befähigt wird. Das Färben wird hier, da dasBad nur äusserst schwach sauer reagiert, etwas in die Länge gezogen, jedochzum Vorteil der Egalität und des guten Durchfärbens; indessen kommt esnicht selten vor, dass, trotzdem das Färbebad noch lange nicht erschöpft