Seidenzeugdruckerei in früheren Zeiten.
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Erzielung von Mustern druckte man eine aus Harz und Rindstalg zusam-mengesetzte Reserve auf, zog die Stoffe schnell durch lauwarme massigkonzentrierte salpetrigsäurehaltige Salpetersäure, wusch sofort in Wasserund führte den gelben Grund in Orange über, indem man in einem Badeaus Soda und Seife kochte, wobei sich gleichzeitig die Reserve ablöste. DaSalpetersäure auch das Indigoblau zerstört, so war es möglich, durch ver-schiedene Kombinationen des Anblauens in der Küpe, des Aufdrucks derReserve und Mandarinierens weisse, blaue und orangefarbige Figuren auforangefarbigem, dunkelgrünem und blauem Grunde zu erzielen. Auch wurdein der Weise gearbeitet, dass zum Mandarinieren ein Gemisch von Salpeter-säure und Eisenbeize verwendet wurde, was einen brauuroten Grund ergab;doch kann hier auf die Einzelheiten des Verfahrens, das längst der Ver-gangenheit augehört, nicht eingegangen werden.
Gegen die fünfziger Jahre fand die Lithographie und Chromolitho-graphie in der Seidendruckerei Eingang, namentlich zur Hervorbringungsehr zarter Zeichnungen. Angesichts der ausserordentlichen Dauerhaftigkeitdes Seideugewebes kann dieser Druckart, wenn auch nur in beschränktemMafse, für besondere Zwecke einige Berechtigung nicht abgesprochen wer-den. Der Vollständigkeit halber mag auch das Lichtdruckverfahren ver-mittelst doppeltchromsauren Natrons, gelben Blutlaugensalzes, salpetersaurenSilbers etc., welche Körper durch Sonnenstrahlen in gefärbte Verbindungenverwandelt werden, erwähnt werden, da die Seide neuerdings auch alsPhotographieträger benutzt wird. Um den Seidenstoff für diesen Zweck zupräparieren, vermischt mau 40 g Kochsalz mit einer Abkochung von 40 gPfeilwurz (einer Algenart) und 150 cc Essigsäure in einem 1 Wasser, setzteine Lösung von 40 g Tannin auf 1 1 Wasser hinzu und filtriert. Das Seiden-zeug wird mit dieser Flüssigkeit einige Minuten imprägniert, ausgepresst,getrocknet und in einem Bade aus 30 g salpetersaurem Silber und 10 Tro-pfen Salpetersäure in 250 cc Wasser eine Minute lang behandelt, ausge-presst und getrocknet. Dass die letztere Operation im Dunkeln vorgenommenwerden muss, bedarf keiner Erörterung. Nach dem Exponieren unter derNegativplatte wird das belichtete Zeug gewaschen und das Bild, wie fürBromgelatine üblich, fixiert, am besten in essigsaurem oder sulfocyansaurem
Bade.
In den achtziger Jahren fabrizierte man sogenannte chinierte Stoffe,indem man die Kette vorher bedruckte und dann verwob, wodurch nichtgenau begrenzte, sondern leicht verschwommene, gewissermafsen abgebrocheneFiguren von eigentümlichem Effekt entstanden. Die zum Bedrucken be-stimmte Kette wurde ineinander gerollt, an dem Ende eines 12—15 mlangen, mit Kamm und Walzen versehenen Tisches aufgelegt und mitgrosser Sorgfalt in der Weise aufgerollt, dass sie eine durchaus glatte undgleichmässige Oberfläche darbot. In jedes bedruckte m der Ketteulängewurden einige Fäden Einschuss eingewebt, um die Verwirrung der Ketten-fäden zu verhindern; die Farben wurden dann durch Dämpfen fixiert, die