398
Das Blaumachen.
düng von Berlinerblau auf der Faser macht sich somit zwischen Ecru undCuit insofern ein Unterschied geltend, als bei der einen eine Wechselwirkungzwischen Eisenoxydsalz und Ferrocyansalz, bei der anderen eine solche zwi-schen Eisenoxydhydrat und FerrocyanwasserstofFsäure stattfiudet. Die demBade zugefügte Säure greift wahrscheinlich bei Ecru zuerst das der Fasereinverleibte basische Eisensalz an und verwandelt es in das neutrale, welchesim statu nascendi auf das Ferrocyankalium reagiert; bei Cuit dagegen vermagsie das Eisenoxyd nicht anzugreifen und beschränkt daher ihre Wirkungausschliesslich auf das Blutlaugensalz. Diese aus den thermochemischen Datenabgeleitete Vermutung findet teilweise darin ihre Bestätigung, dass nur dieEcru mit Blutlaugensalz ohne Säurezusatz eine genug intensive Blaureaktionzu geben vermag. Um ein zu rasches und energisches An greifen des Eisen-grundes durch Säure bei Ecru, das seine Ablösung von der Faser zu Folgehaben würde, zu verhüten, empfiehlt es sich, die Säure hier in mehrerenPortionen zuzusetzen; bei Cuit dagegen kann die erforderliche Säuremengegleich mit einem Male zugegeben werden. Für feine Blauschwarz ist es zu-weilen Brauch, dem Blaubad etwas Alaun zuzusetzeu und bei etwas höhererTemperatur (etwa 64—68°) zu operieren; das Bad trübt sich milchig in-folge Ausscheidung von Thonerdeferrocyanat, von dem ein grosser Teil vonder Seide angezogen wird und zwar anfänglich mit solcher Energie, dassmau, um das oberflächliche Niederschlagen (Plakieren) zu verhüten, etwasWeinstein zugeben muss. Was nun die beim Blaumachen einzuhaltendenTemperaturverhältnisse anlangt, so giebt folgende Erwägung darüber Auf-schluss. Bei Ecruseide, wo das Eisenoxydhydrat, seiner Fixierungsart imSodabade bei ziemlich niedriger Temperatur entsprechend etwa mit frisch-gefälltem wasserhaltigem Eisenhydrat zu vergleichen wäre und in diesemZustande durch Säuren leicht angreifbar ist, genügt bei der Blaureaktioneine niedrigere Temperatur des Bades, da die Überführung des Eisengrundesin ein Eisensalz und die Umsetzung des letzteren in statu nascendi mit Ferro-cyankali leicht von statten geht. Anders verhält es sich mit der abge-kochten Seide, wo der Eisengrund in kochenden Bädern fixiert wurde undsich bekanntlich in dem weniger lösbaren allotropischen Zustande des ent-hydratierten Eisenoxyds befindet, wodurch man genötigt wird, bei höhererTemperatur zu arbeiten. Während man daher mit der gerosteten Ecru amzwecbmässigsten in das kalte nicht gesäuerte Blut laugensalzbad eingeht,einigemal umzieht, dann die Hälfte der Säuremenge hinzufügt, wieder eineViertelstunde zieht, auf 25—30° erwärmt, den Rest der Säure hinzufügt,wieder zieht und erst zum Schluss auf 45 — 50° erwärmt und bei dieserTemperatur bis zum Ausziehen des Bades behandelt, was ca. eine halbeStunde in Anspruch nimmt — wird mit der abgekochten Seide unbehelligtin den Temperaturgrenzen von 30—35° bis 60—65° (am Schluss der Be-handlung) operiert. Ein zu starkes Erwärmen (über 65—-70°) ist, beson-ders beim Beginn der Operation, zu vermeiden, weil sich das Bad zersetzen,