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Die Richterin : Novelle / von Conrad Ferdinand Meyer
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mir von ihm erzählt, von klein an und in einem fortohne Aufhören. Du darfst nicht sterben," wendete siesich an den Gebundenen,das wäre ihr ein großesLeid und tödtete ihr das Herzchen. Denn wisse, dubist ihr Herzkäfer, wenngleich sie dich noch nie mitAugen gesehen hat. Sende hin und sie löst dich mitihrem ganzen Geschmeide. Es sind köstliche Sachen.All ihr Kleinod hat die Richteriu dem Kinde, sobaldes seinen Wuchs hatte, gespendet und dahingegeben."

So erfuhr Herzog Witigis den Namen seinesGefangenen und die blonde Rosmunde, die er um sichhat, das Dasein eines herrlichen Schatzes. Sie um-halste den Herzog und erflehte sich das Geschmeidevon Malmort. Ihr Stirnband habe seine Perlen undihr elfenbeinerner Kamm die Hälfte seiner Zähne ver-loren. Kurz, Goldschmied Rachis wurde an dich ge-schickt und bietet dir den Tausch. Wähle: Schmuckoder Bruder!"

Ehe noch der Lombarde geendigt hatte, stürzte dasMädchen gegen die Burg, die steile Treppe hinauf,verschwand in der Pforte und kam athemlos wieder,Schimmerndes und Klingendes in dem zur Schürzegefaßten hellen Oberkleide tragend. Dieses hielt sie