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Ein höhnisches Lachen lief blitzend über die weißen^ Zähne der Räterin. „Also zum Beispiel," sagte sie,
! „wenn ich gestern noch meinen Mann vergiftet hatte^ und über Nacht wird die Zeit völlig, so bin ich heutekeine Mörderin mehr. Diese Dummheit!"
„Doch, du bleibst eine Mörderin," belehrte sieStemma langmüthig, „aber du hast mit dem irdischenRichter nichts mehr zu schaffen, sondern nur noch mitdem himmlischen. Sühne durch gute Werke! Du hastden Anfang gemacht: fünfzehn mühselige und recht-schaffene Jahre wiegen."
„Nichts wiegen sie!" zürnte Faustine. „Ich sehe* schon, du willst meiner schonen! Du heißest die Rich-terin, aber du bist die Ungerechte, du machst Ausnah-men, du siehst die Person an!"
„Schweige!" befahl die Richterin. „Ich bin denn.doch klüger als du und ich sage dir: deine Sache istnicht mehr richtbar. Noch aus einem letzten Grunde.Ich kann dich nicht verdammen, auch wenn ich dir den> Gefallen thun wollte, denn es steht kein Zeuge gegendich als deine thörichte Zunge. Aber weißt du was:gehe nach Cur und beichte dem Bischof. Er ist derHirte und du bist das Schäflein. Er mag dir die