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Die Richterin : Novelle / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
Seite
46
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Stemma verhielt ihr den Mund.Laß das Todten-gebein!" schalt sie, als drohe sie einem den verscharr-ten Knochen hervorkratzenden Hunde.

Sei barmherzig!" flehte Faustine,laß mir dasHaupt abschlagen, nachdem es Gott gekostet und seinKreuz geküßt hat. Dann wächst es mir im Himmelwieder an und, Stenio rechts, Lupulus links, sitzenwir auf einer Bank und geben uns die Hände. Da-nach verlangt mich," und sie streckte den Hals.

Ich kann dich nicht richten, Thörin," sagte Stemmasanfter.Aus drei Gründen nicht. Merk' auf!

Als du deine That begingest, lebte und regiertenoch der Judex mein Vater. Nach seinem Ende unddem des Comes, da ich das Richtschwert erbte, habeich laut verkündigt:Ab ist alles Geschehene! Von nunan sündige Keiner mehr!" Aber auch wenn ich diesesnicht hätte ausrufen lassen, könnte ich dennoch dich nichtrichten und du gingest frei aus, denn seit deiner Thatsind fünfzehn völlige Jahre in das Land gegangenund hier ist uralter Brauch, daß Schuld verjährt infünfzehn Jahren."

Verjährt? was ist das?" fragte Faustine verblüfft.

Durch die Wirkung der Zeit ihre Kraft verliert."