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Littrow. Wunder des Himmels oder gemeinfassliche Darstellung des Weltsystems / J. J. von Littrow ; nach den neuesten Fortschritten der Wissenschaft bearbeitet von Edmund Weiss
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Venus.

2. Abt. Kap. IV.

Es war nur keine kleine Aufmerksamkeit nötig, zu erkennen, daß beideSterne mir einer und derselbe sind. Man sagt, daß Pythagoras die Iden-tität dieser beiden Gestirne zuerst erkannt habe. Uebrigens haben wir schaubemerkt, daß Merkur dieselben Ansprüche auf eine solche Doppelbencnnung hat'da beide Planeten als Abendsterne erscheinen, wenn sie in 2 (Fig. 51, S. 390)auf der Ostseite der Sonne, und als Morgensterne, wenn sie in 4 auf derWestseite der Sonne stehen. Doch zog Venus durch ihren helleren Glanz dieAufmerksamkeit der Menschen besonders auf sich, und die Dichter der Griechenund Römer sind voll von dem Lobe ihrer Schönheit.

Qualis nbi oceani perfusus lucifer unda,

Quem Venus ante alios astrorum diligit ignes,

Extulit os sacrmn coelo tenebrasque resolvit. Aen., VIII. 589.

Die neueren Dichter, die sonst mit dem gestirnten Himmel weniger bekanntzn sein scheinen, da sie beinahe nur von Wein und Liebe singen, fanden dochdiesen Planeten zu ausfallend, um ihn ganz aus ihrem Gebiete auszuschließen:

Friend to mankind, she glitters froin afar,

Now the bright evning, now the morning Star. Baker.

Venus erhielt das Zeichen 9, eines Spiegels mit einer Handhabe, desnotwendigsten Attributes einer Göttin der Schönheit. In der Mineralogiewird dadurch das Kupfer bezeichnet, und wahrscheinlich wurden auch die erstenSpiegel der Alten aus diesem Metalle verfertigt. Beiläufig bemerkt, gibt dasVenuszeichen umgekehrt das der Erde ö, worin offenbar eine Beziehungauf die Erlösnngsgeschichte zu suchen ist.

§ 44. ((Siitferminj und UmlaufsM der Venus .) Venus ist im Mittel 0'723 Halb-messer der Erdbahn oder bei 108 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt.Die E.rzentrizität ihrer Bahn ist die kleinste, oder diese Bahn ist die kreis-ähulichste von allen, daher Venus auch beinahe immer in derselben Entfernungvon der Sonne bleibt. Desto mehr weichen dafür die Entfernungen der Venus von der Erde unter einander ab. In der unteren Konjunktion 3 (Fig. 51),wo sie der Erde am nächsten ist, beträgt diese Distanz nur 38 Millionen Kilo-meter; in der obern Konjunktion (1) aber, oder in ihrer größten Distanz, istsie siebenmal weiter oder 260 Millionen Kilometer von der Erde entfernt.Aus dieser Ursache ist auch ihre scheinbare Größe so sehr verschieden. In deruntern Konjunktion erscheint uns ihr Dirrchmesser unter dem Winkel von 65Sekunden, also größer als irgend ein anderer Planet, selbst Jupiter und denRing Saturns nicht ausgenommen. In der obern Konjunktion aber, wo sieihre beleuchtete Hälfte ganz der Erde zuwendet, ist doch ihr Licht nur schwach,und ihr Durchmesser beträgt kaum 10 Sekunden, so daß uns also Venus hierselbst kleiner als Merkur in seiner größten Nähe, nur halb so groß als Saturnund fünfmal kleiner als Jupiter erscheint.