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Gestalt und Atmosphären der Planeten.
3. Abt. Kap. VIII.
Es ist sehr wahrscheinlich, daß diese Körper nicht auf einmal, sondern daßsie erst nach und nach aus der primitiven Materie, aus den: Urstoffe des Welt-alls entstanden sind, in welchem einzelne vorherrschende Punkte die sie zunächstumgebende, anfangs wahrscheinlich noch flüssige Masse anzogen und in mehroder weniger regelmäßigeil Schichten um sich ablagerten. Wo immer jeneMaterie nahe gleichförmig verteilt war, und wo diese Ablagerung in einer be-stimmten Ordnung vor sich giilg, mußte sich auch der so entstehende und all-mählich fortbildende Körper zu einer regelmäßigen Form, im allgemeinen zurKngelsorin ausbilden, deren Dichtigkeit gegen den Mittelpunkt derselben immergrößer wurde, weil hier die Kraft der Anziehung des Mittelpunktes sowohl wieauch der Druck der weiter entfernten Schichten größer war als in bedeutendenDistanzen von dem Mittelpunkte. Wir sehen in der That diese Art der Ent-stehung und Fortbildung bei allen flüssigen Körpern der Erde, und jeder Regen-tropfen kann uns als Beispiel für jene großen Tropfen des Himmels dienen.
§ 79. «Abplattung durch «Rotation.) Da aber diese Ablagerungen ohne Zweifelnicht in ganz ungestörter Ordnung vor sich gehen, und da während der stnfen-weisen Ausbildung des neuen Weltkörpers auch andere, ihm benachbarte aufihn einwirken konnten, so ist es nicht wahrscheinlich, daß jene Kugelgestalt ganzrein erhalte» wurde. Der anfangs tveiche Planet, dessen feste und flüssigeTeile noch unter einander gemischt waren, und der durch die Anziehung derbenachbarten Körper in eine Bewegung um sich selbst, in Rotation gesetzt wurde,mußte durch die Ceutrifugalkraft (I, § 21) dieser Rotation an seinem Aequatorsich erheben und die Gestalt einer an ihren beiden Polen abgeplatteteil Kugelerhalteir. Die Beobachtungen zeigen uns in der That diese Gestalt bei allenHimmelskörpern, die uns nahe genug sind, mn ihre Abplattung noch zu unter-scheiden.
Man kann durch Rechnung streng beweisen, daß eine Masse von durchausgleicher Dichte durch die Rotation die Gestalt eines Sphäroids, d. h. eiitcsKörpers erhalten müsse, der durch die Umdrehung einer Ellipse um ihre kleineAchse entstanden ist. Wendet man diese Rechnungen unmittelbar auf unsereErde an, so findet man ihre Abplattung nahe gleich 1 / 5SÜ . Allein nach denBeobachtungen ist sie gleich V 300 , also nahe doppelt so groß, zum Zeichen,daß die Voraussetzung einer durchaus gleichen Dichte der Erdmasse unzulässig ist.
In der That ist es aus den soeben angeführten und noch aus anderenGründen sehr wahrscheinlich, daß die Dichte der Erde gegen ihren Mittelpunktzunimmt. Schon die zur Bewohnbarkeit der Erde für Tiere und Pflanzen sonotwendige Stabilität der Meere fordert es, daß die mittlere Dichte derfesten Erde viel größer sei als die Dichte des Wassers, weil sonst die vonWinden bewegten Wellen des Oceans immerwährend aus ihren Gestaden tretenund das Festland überschwemmen würden, wie dies z. B. der Fall wäre, wennunsere großen Meeresbecken Quecksilber statt Wasser enthielten.