Beobachtende Astronomie.
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§ 14 .
so das; auch bei den stärksten Vergrößerungen selbst die kleinsten Objekte —eine unerläßliche Bedingung für die Sicherheit der Beobachtung — nicht ganzbedeckt werden; ferner völlig gleiche Dicke, genau geradlinige Begrenzung,Freiheit von aller Biegung durch Torsion, vollkommene Biegsainkeit und ver-hältnismäßig sehr große Zähigkeit, welche die nötige Spannung erlaubt.Merkwürdig ist dabei der Umstand, daß diese so äußerst zarten Gegenstände,obschon sie gerade im Brennpunkte des Objektives, also dort stehen, wo andereKörper, wenn die Linse vor die Sonne gebracht würd, sich sofort entzünden,bei Sonnenbeobachtlurgen nicht die kleinste Veränderung erleiden. Ob dieseüberraschende Erscheinung nur überhaupt der Dünne dieser Fäden zuzuschreibenoder ebenfalls irgend einer besonderen Eigentümlichkeit der Materie des Spinn-gewebes, z. B. einer ungewöhnlichen Wärmeleitungsfähigkeit zu verdanken sei,ist noch nicht hinreichend untersucht. Alan verwendet übrigens zu jenen Faden-netzen nicht das Gespinnst, welches die Spinnen als Fanggarn verfertigen,sondern die Hülle, welche sie um ihre Eier spinnen, und wählt dann nach Um-ständen das Produkt verschiedener Arten, die eben am häufigsten vorkommen.Arich der Cocon und die Fäden der gemeinen Stubenspinne (Tegenaria domostiea)sind dazu zu brauchen, nur soll man in letzterem Falle den Faden unmittelbaraus der Spinne ziehen, indein man sie fallen läßt und den dabei entstehendenFaden z. B. um eine Gabel wickelt.
Nach diesen vorausgeschickten Bemerkungen über das Fernrohr wird esnun leicht sein, die Einrichtung und den Gebrauch der damit versehenen In-strumente zu begreifen.
§ 14. (Huble^s Spiegel-Sextant.) Wir wollen die Besprechung der jetzt ge-bräuchlichen Instrumente mit einem beginnen, das weniger auf ständigenSternwarten und von den eigentlichen Astronomen, als vielmehr von See-fahrern, Reisenden und Freunden der Astronomie überhaupt gebraucht wird.Es ist dies der Spiegel-Sextant (Fig. 109), der seinen Namen von John Hadley hat, obschon man bereits im Jahre 1742 oder zehn Jahre nach derBekanntmachung dieser Erfindung unter Hadley's hinterlassenen Papiereneine Schrift von Newton's Hand gefunden haben soll, in welchem der letzteredieses Instrument als von ihm selbst erfunden beschreibt.
Der Spiegel-Sextant ist bestimmt, den Winkel zwischen zwei Gegenständenin jeder Richtung desselben gegen den Horizont selbst dann zu messen, wennder Beobachter keinen festen Stand hat, daher dieses Instrument, besondersfür den Schiffer brauchbar ist, obschon es auch für Beobachtungen auf dem festenLande, namentlich aus Reisen als eines der nützlichsten Instrumente anerkanntwerden muß, wie es denn auch das einzige ist, welches zu seiner Anwendungkeines festen unveränderlichen Standes bedarf, sondern frei in der Hand ge-halten wird.
Der Spiegel-Sextant besteht im allgemeinen aus einem Kreissektor AqO,
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