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Zur physischen Anthropologie der Feuerländer : der Philosophischen Facultät, II. Section der Universität Zürich zur Erlangung der Venia Legendi vorgelegt von Dr. Rudolf Martin
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Dr. Kudolf Mai'tin,

Die Curvaturen sind typisch; die rechte Clavicula ist unbedeutend stärker gekrümmt, als die linke (wasauch schon Portal behauptete). Ausser diesen Krümmungen, die nur leicht aus der Ebene abweichen,beobachte ich an den Claviculae der Feuerländer eine Torsion des ganzen Knochens, die ich bei Europäern

und anderen Kassen bis jetzt nicht in diesemAusdruck durch die gegenseitige Stellung der

Fig. 7.

Grade constatiren konnte. Dieselbe kommt am besten zumLängsaxen der beiden Extremitates. Während das sternaleEnde des Europäers in seiner typischen Form oben ab-geplattet und mit dieser Fläche nach vorn geneigt ist.wodurch der untere, spitzeste Winkel der Gelenkflächenach hinten gewendet wird, so ist der Knochen beimFeuerländer gegen sein sternales Ende hin von vornnach hinten abgeflacht und es entsteht auf diese Weiseeine fast eiförmige Articulatio sternalis, deren Längsdurch-messer merklich vertical gerichtet ist. Ihr unteres Endeist leicht zu bestimmen, da hier ein in der Mitte desKnochens entstehender, etwas abgerundeter Knochen-i kämm .ausläuft. Diese Axe bildet nun mit dem Längs-I durelimesser der Extremitas acromialis fast einen rechtenf Winkel. Auch beim Europäer finden sich verschieden-artig gestaltete sternale Articulationsfläehen, aber selbstin den Fällen, in welchen der gewöhnliche trianguläreCharakter einem länglichen Platz macht, konnte ich jenefür den Feuerländer typische rechtwinkelige Kreuzungder beiden Axen nicht constatiren. Ich vermag leiderau den schlecht montirten Skeletten nicht zu entscheiden,ob diese verschiedene Bildung der Clavicularenden dieFolge einer relativ verschiedenen Stellung von Manubriumsterni zum Acromion ist.

Aus dem bereits erwähnten graeilen Bau der Clavi-cula, wie aus der, besonders bei den Frauen relativgeringen Ausbildung der Extremitas sterni und der Ge-lenkfläche lässt sich ein Schluss, ziehen auf die geringekörperliche Beschäftigung der Individuen. Kennen wirauch die Berufsvarietäten des Schlüsselbeins noch nicht,so wissen wir doch, dass anstrengende Arbeit diesenKnochen mächtig entwickelt, weil er gleich einem Strebe-pfeiler zwischen Thoraxwand und Schultergelenk einge-schaltet ist und alle die Widerstände überwinden muss, diebei grösserer und intensiverer Beweglichkeit der vorderenExtremität in Wirkung treten.

Ferner möchte ich noch erwähnen, dass bei zweiIndividuen beiderseits (H. und L.) lamellenartige Ster-nalepipliysen sich finden (auch auf der Abbildung zusehen), die mit der Diapliyse nicht verwachsen sind.Während in den meisten anatomischen Lehrbüchern voneiner solchen Bildung nichts erwähnt wird, sprichtPansch 1 ) von der Entwickelung der Clavicula und einemHaupt- und einem Kebenkern, welch letzterer für diesternale Epiphyse bestimmt sei. Henle 2 ) dagegen lässtdas Schlüsselbein sich aus nur einem Knochenpunktentwickeln, zu dem im fünfzehnten bis achtzehntenJahre eine Epiphyse tritt, die einige Jahre später mitdem Clavicularkörper verwächst. Es handelt sich alsoin den vorliegenden Fällen entweder um eine Ent-wickelungshemmung, oder diese Epiphysenbildung trittbei den Feuerländern erst in etwas späterer Periode auf, oder erhält sich länger. Immerhin bleibt nochnachzuweisen, ob wir es in dieser Lamelle mit einer Verknöcherung der clavicularen Zone (Rüge) oder miteiner secundären Bildung zu thun haben 3 ).

Ich wende mich nun zu den absoluten und relativen Grössenverhältnisseu der Clavicula und stelle dieMittelwerthe in der folgenden Tabelle zusammen.

Clavicula einer Europäerin (d) und einer Feuer-länderin (ß) von oben; sowie deren sternale Gelenk-flächen Bei gleicher Orieutirung.

1 ) Pansch, Grundriss der Anatomie. Berlin 1881, S. 101. — 2 ) Henle, Handbuch der Knochenlehre, 8. Auf!.,S. 238; ebenso Langer-Toldt, Lehrbuch'der syst. u. topograph. Anatomie. 4.Aufl. Wien 1890. — 3 ) Vergl. auch 0. Hart-wig, Lehrbuch der Entwickelungsgeschichte, 2. Auf!., S. 496.