29
Zur physischen Anthropologie der Feuerländer.
Autoren geben sogar nur 70° für die Kaukasier an, so dass ihre Troclileartangente um 13° resp. 20° von derHorizontalen abweicht, während diejenige der Feuerländer bei vertiealem Humerus nur eine Abweichung von 7resp. 5,5° zeigt, also fast senkrecht zur Längsaxe des Knochens steht. I)a man nun geneigt ist, in dieserSchiefstellung der Troehleartangente eine progressive Bildung zu sehen, die beim menschlichen Fötus und denAnthropoiden in der That geringer zu sein scheint, so wird man nicht umhin können, in dieser Hinsicht demFeuerländer eine inferiore Bildung zuzuschreiben.
Nebenstehende Abbildung lässt die besprochene Differenz zwischen den beiden Typen deutlich hervortreten;ferner zeigt sie die typische Auswärtskriimmung des ganzen Knochens beim Feuerländer, wodurch eine ziem-lich starke Concavität gegen die Medianlinie zugebildet wird 1 ).
Ferner verdient die Stellung der Gelenk-kopf t a n g e n t e noch einer kurzen Erwähnung. Legt-man nämlich durch den Knorpelrand des Gelenk-kopfes, der hinten einem sehr stumpien M jnkel, vornmehr einer Geraden gleicht, eine Ebene, so bildetdieselbe bei verticaler Ilumeruslängsaxe beim Feuer-länder einen mittleren Winkel von 54°. Die indi-viduellen Schwankungen bewegen sich zwischen 49und 59°. Henle hat für die Europäer einen Winkelvon etwa 40° angegeben, allerdings ohne Erläuterungseiner Methode der Bestimmung; es ist also trotzder verschiedenen Schiefstellung der unteren Ge-lenkaxe die Richtung des Ilumeruskopfes bei denbeiden Typen nicht wesentlich verschieden.
Die Fossa olecrani ist fast bei allen Indivi-duen sehr vertieft, theilweise durchscheinend, inzwei Fällen besteht eine natürliche Perforation:der Transversaldurchmesser der Oeffnung beträgt7 resp. 5 mm, der sagittale 4 resp. 3,5 mm, so dassdie typische, ovale Form zustande kommt. AuchSergi, Garson und Hyades haben je einen Fallbeschrieben, so dass die Perforation unter 55 Hu-meri fünfmal oder in 11 Proc. beobachtet wurde.In allen Fällen bestand die Durchbohrung auf derlinken Körperseite, viermal beim Weibe und einmalbeim Manne.
Was die absolute Länge des Humerus an-langt, so stimmen meine Mittelwertlie im Wesent-lichen mit denjenigen der anderen Autorenüberein; ich fand für die cf Ifumeri ein Mittelvon 300 mm, für die $ von 285 mm. Addireich alle Messungen der verschiedenen Forscher,so ergiebt sich ein Mittel aus 29 cf Feuerländer-Ilumeri = 286,G mm, und ein solches aus 25 $= 285 mm 2 ).
Bei keinem der untersuchten Individuen istdie ganze Länge des Humerus auf beiden SeitenRechter Humerus von vorn, A einer Feuerlänclerin (L.), gleich gross, stets ist der rechte länger und zwarB eines Europäers (nach Henle). bei meinen fünf Alakaluf im Mittel um 6,8mm.
Die oft empfohlene Methode, unter isolirten Kno-chen durch Zusammenstellung der gleich langen die individuell zusammengehörigen zu finden, muss also ver-worfen werden; man wird im Gegentheil jeweils den linken Humerus um mehrere Millimeter kleiner wählenmüssen als den rechten, und die Zusammengehörigkeit weit eher an der stets übereinstimmenden Relief-bildung und dem ganzen Habitus erkennen.
Ein Processus supraeondyloideus wurde in keinem Falle beobachtet.
2. Radius und Ulna.
Der Radius ist nicht stark gekrümmt, sein unteres Ende ziemlich schmal. Die Tuberositas radii- bildeteine gut entwickelte Kuppe; das Spatium interosseum ist nicht grösser, als beim Europäer.
Fig. 10.
A.
*) Auch von Sergi und Hy ade s beschrieben.
2 ) Aus den Einzelwerthen der Autoren gewonnene Mittel.