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Zur physischen Anthropologie der Feuerländer : der Philosophischen Facultät, II. Section der Universität Zürich zur Erlangung der Venia Legendi vorgelegt von Dr. Rudolf Martin
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Dr. Rudolf Martin,

Die absolute Lauge des Radius beträgt im Mittel für die cf 240,5 mm, für die $ 221mm. Esmacht sieh aber eine auffallend grosse Differenz zwischen rechtem und linkem Knochen geltend, indem dererstere bei den cf um 9 mm, bei den $ um 4 mm den letzteren übertrifft. Addire ich sämmtliche U über

die Feuerländer bekannten Daten, so ergiebt sich eine Radiallänge aus 23 cf Mittel = 239,5 mm; aus 24 $

= 217 mm.

Die Ulna ist relativ schwach. Die Ursprungslinie des M. pronator quadratus ist als starke Knochenkanteentwickelt, während die Tuberositas ulnae ihrer typischen Ausbildung beim Europäer gleich kommt. Einegrössere Concavität des Processus coronoides besteht nicht, und auch die Krümmung des Knochens ist nichtmehr ausgesprochen, als wir es bei uns zu sehen gewohnt sind. Der Processus styloides ist relativ kurz. BeiII. besteht noch die untere Epiphysenlüge.

Entsprechend dem Radius ist auch bei der Ulna die absolute Länge auf der rechten Körperseite grösserals auf der linken, die geschlechtliche Differenz ist dagegen im Mittel etwas geringer. Die absolute Längebeträgt für die cf = 262 mm, für die $ 242,3 mm. Alle Angaben vereint fand ich: Mittel aus 20 cf

258,1 mm, aus 22 $ = 238,7 mm. *

Was schliesslich das Handskelet anlangt, so ist dasselbe zierlich gebaut und besonders die Handwurzelziemlich schmal. Die absolute Länge der cf Hand beträgt im Mittel = 179,7 mm, der $ = 164,5 mm, auchist die linke Hand, allerdings nur unwesentlich, kleiner als die rechte.

Die absolute Länge von Humerus -(-Radius beträgt für die Feuerländer cf = 526 mm, für die $ =502 mm;für die fünf Alakaluf allein = 540 resp. 506 mm.

Wichtiger als diese absoluten Grössen der einzelnen Bestandtheile der oberen Extremität ist die relativeLänge von Ober- und Unterarm resp. von Humerus zu Radius, die in einem Radio-humeral-Index ihrenAusdruck findet. Die Summe' der mir zur Verfügung stehenden Einzelwerthe genügt, soweit ich glaube, eindefinitives Urtheil in dieser Frage abzugeben.

Die mittleren Indices, die ich fand, sind auffallend hohe und stellen die Feuerländer fast an das Endeder bereits bekannten Scala: es beträgt das Mittel für die cf = 80,6, für die $ = 76,3. Demnach würdendie ersteren in die dolichokerkische, die letzteren in die mesatikerkische Gruppe zu zählen sein, d. h. derUnterarm der Feuerländer ist im Verhältniss zum Oberarm bei Weitem länger, als beim Europäer.

Die geschlechtliche Differenz wurde auch bei allen anderen Rassen beobachtet, doch ist ihr Betragnirgends so gross, als beim Feuerländer: es ist also nicht schlechthin gestattet, beide Geschlechter vereint zubehandeln, wie dies bisher meistens geschehen.

T y p u s

Eadio-hu m

eral-Index.

Cf

?

Europäer .

72,5

72,4

Neucaledonier.

76,0

75,8

Südamerikaner.

77,4

74,4

Heger.

79,0

78,3

Feuerländer.

80,6 * 2 )

76,3

Andamanen . ..

81,5

79,7

Es ist zu bedauern, dass mir keine Daten über andere amerikanische Stämme zur Verfügung stehen,als die von Topinard ohne Angabe der Provenienz mitgetheilten südamerikanischen Indianer, die immerhineinen geringen Index zeigen. Das für die Feuerländer gefundene Verhältniss würde nach den UntersuchungenIlamys 3 ) demjenigen entsprechen, das wir bei einem europäischen Fötus aus dem vierten bis fünften Monatfinden, d.li. also einem Dnrchgangszustande oder Entwickelungsstadium der kaukasischen Rasse gleichkommen.Auch der Index des Gorilla bewegt sich nach Flower und Mivart innerhalb der Grenzen von 80 und 82.

Technik:

Humerus :

Torsion: Man bestimmt die obere und untere Gelenkaxe, erstere nach der von Gegenbauer ange-gebenen Methode (Jenaische Zeitschrift, Bd. IV, S. 50); als letztere wählt man die Dreliaxe des Gelenks, dienach dem Augenmaass durch zwei von beiden Seiten in Wachsballen eingeführte Nadeln fixirt wird. HieraufZeichnen der beiden Gelenkenden mit ihren Axen mittelst des Lucaeschen Apparates bei vertical gestelltem

*) Hyades Tabelle ist insofern ungenau, als man nicht weiss, ob er jeweils nur den Radius einer Seite gemessen,oder ob seine Zahlen Mittelwerthe aus beiden sind ; ich habe ersteren Fall angenommen.

2 ) Dieser Werth ist das Mittel der Indices (20 cf und 24 $), die ich für beide Kiirperseiten aus den absoluten Zahlen,der verschiedenen Autoren berechnet habe, nicht der Index der Mittelzahle»* Dieser letztere beträgt 83,5 resp. 76.

3 ) Hamy, Revue dAnthropologie, Vol. I, p. 87.