Ungewöhnliche Begebenheiten gewinnen hei jeder Nacherzählung an Wunder-barkeit, und büfsen auf der andern Seite an Wahrheit ein. Jede FortpJlanzun"-bereichert sie mit neuen fremdartigen Zusätzen, und entstellt sie am Ende so sehr,dafs nur ein aufmerksamer Forscher die Beimischung erkennt, und nach ihrerScheidung den Grund der Säge, und ihre echte ursprüngliche Gestalt enthüllt.
Das war auch hier der Fall. Nicht zufrieden, dafs dann und wann solcheMassen und Steine vom Himmel gefallen waren, sollten sie der Regel nach noth-wendige Begleiter jedes Wetterstrais seyn.
So entstand aus den Begriffen des Volks und in den Köpfen der alten Na-turforscher, deren Einsichten sich in der That wenig über Volksmeimuwen erho-ben, eine eigne Klasse von sogenannten Donnerkeilen, und man gab Steine dafüraus, die sicher ihre Erzeugung und Bildung keinen hohem Regionen verdankten.
Unter der Menge def Erzählungen, von Steinen, die auf die Erde gefallenseyn sollten, verschwand almälig die Nachricht von Massen, die wirklich vom Ilim-J uel her abgefallen waren. Ohne zu prüfen, (2) ohne das Wahre vom Falschen ab-zusondern , urtheilte man allgemein über alle solche Erzälilungen, und verwies siesämmtlich in das Reich der Fabeln und Träume.(5)
So standen die Sachen, als eine ganz kürzlich erschienene Abhandlung Ho-wards die Aufmerksamkeit der Naturforscher von neuem auf diesen Gegenstandlenkte.
(2) Der Stein zu Ensislieim — sagt der Ilofrath Blumenbach (in Voigts Magazin fiir den neuestenZustand der Naturkunde Band IV. S. £15 fg.) — liieng drei lange Jahrhunderte hindurch dort in der Pfarr-kirche zur Schau, wurde antjegaft und belacht, ohne dafs, bis auf Herrn Professor Banhold, jemand es nurder Mühe werlh gefunden hatte, ihn doch.ein bischen naher zu untersuchen.
(3) Manche Gelehrte, aus Find t^ verspottet zu werden, mögen wohl sehr schatzbare Benu billigen ab-sichtlich unterdrückt haben. So z. B. gesteht der Abbe Stütz in der Abhandlung : Über einige vorgeblich vom Him-mel gefallene Steine in der Bergbaukunde Th. II. S. 398 — 409. ganz offenherzig: er würde die schätzbareAgramsche Urkunde ganz unterdrückt haben, wenn er nicht aus einigen Versuchen des Komus die Sachenatürlich zu erklären glaube. „Freilich — sagt er — dafs das Eisen vom Himmel gefallen seyn soll, mögender Naturgeschichte Unkundige glauben , mögen ivohl im Jahre 1751 felbst Teutschlands aufgeklärtere Köpfebei der damals unter uns herrschenden schrecklichen Ungewifsheit der Naturgeschichte und der praktischen Phy-sik geglaubt haben, aber in unsern Zeiten wäre es unverzeihlich , solche Jklährchen auch nur irahrscheinlich zufinden“. Auch Born, (Lythophylac. Bornianum. P. I. p. 125.) erklärt die Nachricht von der 1753 in Böh men herabgefallenen, itzt von Howard untersuchten, den übrigen völlig ähnlichen Masse, gerade zu für eineFabel.
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(4) Edward Howard. Experiments and Observations on certain stonyand nietalline substances, whicli