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Ueber Massen und Steine, die aus dem Monde auf die Erde gefallen sind / von Ferdinand Adolph Freiherr von Ende
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8
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Ja! eine in der Nahe des Maris Crisium befindliche, von Schroclei' mit demKamen Bernoulli bezeicbncte Einsenkung; ist bei einem Durchmesser, von unge-gefahr drei geographischen Meilen, über achtzehntausend fünfhundert Fufs tief, (n)Eine gleiche Tiefe, -wenn nicht noch eine gröfsere, hat ein am östlichen Monds-Rand bemerkter Ausschnitt, Christlob Myhus, (12) und ein anderer, Desplacesgenannt. Unser Chimborazo in diese ungeheuren Kefsel gesezt, -würde sie nichtausfüllen, und nur wenig mit feiner oberften Spitze hervorragen, ja! fünf auf ein-ander gethürmte Vesuve, oder Brocken reichten bei weitem nicht an den Rand.Kimmt man hiezu, dafs gerade bei manchen sehr tiefen Einsenkungen sich einzel-ne, oft ganz isolirte erstaunend hohe Kopfgebirge befinden, oder dafs sie von be-trächtlichen Rundgebirgen eingeschlossen sind, so wächst dadurch unsere Verwun-derung über deren abweichenden Katurbau des Mondkörpers. (15)

Doch diese Naturgegenstände, die sich durch ihre Gröfse, und Ungewöhnlich-keit beim ersten Anblik auszeichnen, find nicht die einzigen, die bei einer sorg-fältigen Betrachtung des Monds unsere Aufmerksamkeit fesseln.

Wie merkwürdig ist nicht die ausserordentliche Menge der kleinen Krater,ihre Gestalt und die Form der sie umgebenden Ilinggebirge.

Immer hat ein Krater in den andern eingegrifFen, einen Theil des filtern Ring-gebirges zerstört, und sein eigenes hineingeflochten. Es giebt Gegenden, wo mansechs, acht bis zehn solche neue auf einander folgende Schöpfungen unterscheidenund deutlich wahrnehmen kann, wie allmälig, durch immer wiederholte Revo-lutionen, die Oberfläche des Monds ganz umgebildet worden.

Die ganze südliche Halbkugel des Monds ist mit solchen kleinen Kratern gleich-sam überschwemmt, oder richtiger, sie bestellt aus einer ununterbrochenen Kette

(11) Selenotopographische Fragmente Th. I, J. ioj.

(u) Selenotopographische Fragmente Th. II, S- 937

(13) So z. B. hat ein nicht weit von Bernoulli und Cleomedes belegenes Kopfgebivge eine senk-rechte Höhe von 9887 Fufs, umd an die Einsenkung Desplaces glänzt unmittelbar ein wenigstens einehalbe Meile hoher Berg. (Selenouopogr. Fragmente Th. II, j. 945) Das Vorgebirge des Cullipput, dessen senk-rechte Tiefe 9239 Fufs betragt, ist 15730 Fufs hoch. (Selenotopogr. Fragmente Th. I, 156. 157) Mansliusder etwa 6 teutsche Meilen im Durchmesser grofs, und 9247 F l 'f 3 3St > wird von einem 2072 Fufs ho-hen Ringgebirge eingeschlossem. (Selenotopogr, Fragmente Th. I, 5. 129.