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Ueber Massen und Steine, die aus dem Monde auf die Erde gefallen sind / von Ferdinand Adolph Freiherr von Ende
Entstehung
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10
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Leberwähigten aber die innern Kräfte die äussere Funde, und zerspreng-ten sie, so erfolgte eine wahre Eruption. Die gehobene Masse brach durch,warf die weggedrängte Materie zur Seite, schichtete sie rings herum um dieentstandenen Krater und eingetieften Becken auf, und bildete daraus die Ring-und Wallgebirge, die fast jeden Krater auf dem Monde einschliessen. Sehrscharfsinnige empirische Versuche des Oberamtmanns Scliroeter (16) bestätigendiese Vermuthung.

Er machte von Sand Modelle des Kraters und der sie umgebenden Ringge-birge, wog den Gehalt beider auf der Wagschale, und fand, dafs die Materie,welche den Krater ausfüllte, ungefähr die nämliche Schwere hatte, als die Mas-se, die zur Bildung der Ringgebirge erfordert wurde. Kann es wohl einenanschaulicheren Beweis geben, dafs der Stoß des Ringgebirges die nämlicheMaterie sey, die vordem den Raum des Kraters ausgefüllt hatte, und bei einererfolgten Eruption gewaltsam zur Seite gedrängt, und in Form eines Gebirgesaufgeschichtet war?

Mit welcher grossen Gewalt übrigens die Natur bei diesen Explosionen zuWerke gieng, erhellet schon aus der Tiefe der Einsenkungen selbst, und da,wo sie vielleicht durch Länge der Zeit wieder ausgefüllt, und Wallebene n ge-worden sind, aus der grossen Höhe der sie umgebenden Ringgebirge, woraufich schon vorhin aufmerksam gemacht habe. (17)

Aber nicht allemal war die innere Kraft stark genug, um einen beträchtli-chen Tlieil der äussern Rinde zu zerbrechen, und eine grosse Eruption voll-ständig zu vollführen. - Sie schuf daher nur kleine Krater, erneuerte nach eini-ger Zeit ihre Angriffe, und so entstanden immer neue kleine Krater, die indie älteren und ihre Ringgebirge eingriffen, und sie theilweise zerstörten.Das scheint ungefähr der Gang gewesen zu seyn, den die Natur bei derAusbildung des Mondskörpers befolgte. Gesetzt, man fände bei einzelnen Thei-len meiner Hypothese manches zu erinnern , so wird man ihr doch schwerlich

immer die grosse Tiefe der Seen in der Schweiz , mithin in einem Lande gewesen, das sich gerade durchhäufige und hohe Gebirge auszeichnet. Diese Seen scheinen im Grunde eben solche Einsenkungen, wie dieKrater im Monde zu seyn, nur mit dem Unterschiede, dafs sie mit Wasser angefüllt sind.

(16) Selenotopograph. Fragmente. Th. I. §. 497 fg.

(17) S. die i 3 te Anmerkung.