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Ueber Massen und Steine, die aus dem Monde auf die Erde gefallen sind / von Ferdinand Adolph Freiherr von Ende
Entstehung
Seite
52
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sich eine weisse Kugel bildete, und hernach zersprang, und dafs aus dieserOeffnung das Krachen und die Erschütterung der Luft hervorgieng.Die Wol-ke blieb so lange feurig, bis zwei Drittheile derselben ihre braune Farbe inein glänzendes Weifs veränderten. Darauf entstand bei dem Punkte b eineVertiefung, wie ein Schmelzofen, die so sehr glänzte, und sich so schnell imWirbel drehte, dafs ich meinen Blick nicht lange darauf heften konnte. DieExplosion dauerte etwa 5 Minuten, die Entzündung etw'a 8 Minuten, und en-digte sich zuletzt in einem langen weissen Streifen, der sich unmerklich nachWesten zu bewegte, und bis ein Uhr Nachts sichtbar blieb. Mehrere Personenhaben mich versichert , dafs eine halbe Stunde vor der Explosion die Wol-ke weifs und entzündet gewesen, und obgleich die Zuschauer sie aus verschie-denen Standpunkten sahen, und sie daher einigen wäe ein Berg, andern wieein paar Seulen, einigen wie zw'ei Kugeln, und noch andern wie ein feurigerDrache vorkam, so stimmten sie doch sämmtlich darin überein, dafs die Basisdunkel gewesen sey, und darin liegt der Grund, warum sie mir, der ich sievon unten und senkrecht über meinem Haupt betrachtete, erst nach der Ex-plosion feurig erschien. Wie ich zu Lucignan dAsso in dem Hause des HerrnAlessanclro Ncildi Viccolomini anlangte, fand ich die Anwesenden sehr bestiirtzf,und wurde gefragt, was ich von diesem Phänomen hielte? Ich schützte meineUnwissenheit, und dafs ich kein Physiker sey, vor, fügte aber hinzu, ich zwei-felte nicht, dafs Steine oder ähnliche Körper herabgefallen seyn müfsten, unddafs, wenn bei jedem Krachen welche ausgeschleudert wären, sie sich übervierzig an der Zahl beliefen. Einige der Anwesenden spotteten darüber, aberzu gleicher Zeit meldete man, dafs an einem, le Solatii genannten, einem ge-wissen JLuchesini gehörigen Orte, eine Viertelmeile weit von der Gegend ent-fernt, wo ich die Explosion beobachtete, ein Stein vor den Füfsen eines Land-manns herabgefallen, und in die Erde gedrungen sey.

Wir Hessen ihn am andern Morgen suchen, und er fand sich eine halbeElle tief in der Erde. Er hat vier Seiten oder Aussenflächen; die gröbste ist5 Zoll lang und 4 Zoll breit, beinahe wie ein Viereck gestaltet, und laevigirt;die übrigen sind dreieckigt, von konischer oder vielmehr pyramidalischer Figur.Der Stein sieht von Aussen verbrannt und beinahe schwarz aus , im Innern ister fast ganz Kiesel, mit vielen kleinen Kuöpfchen, die rohem, gediegenem, nichtgeschmolzenem Eisen, und kleinen glänzenden metallischen Steinchen gleichen.