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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Einleitung: Entwickelungsgang der Menschheit.

anbringen. In die Höhlung streuen sie etwas feinen Sand, setzen dann den Reibstock mitdem einen Ende in die Höhlung ein und rollen ihn schnell zwischen den Handflächen hinund her, wobei sie kräftig nach abwärts drücken. Der Holzstaub, der sich beim Reibenbildet, entzündet sich, und aus der glimmenden Masse erhält man, wenn man sie anblästund geeigneten Zündstoff hinzufügt, eine helle Flamme. Eines ähnlichen Instrumentes be-dienen sich die Apachen; I. G. Bourke sah sie damit in acht Sekunden zum Ziele gelangen.Anders verfährt man im östlichen Grönland . Auch hier benutzt man allerdings ein Brett,in das man eine kleine Höhlung bohrt, die die Spitze des Feuerholzes aufnimmt und mitThran befeuchtet wird. Das Feuerholz aber wird mit Hilfe einer daran befestigten Schnurin Bewegung gesetzt, die an ihren Enden Handgriffe hat. Während eine Person dieSchnur hin und her zieht, erhält eine andre das Feuerholz dadurch in senkrechter Richtung,daß sie von oben mit Hilfe eines dritten ausgehöhlten Holzes, in das das obere Ende desFeuerstockes eingesetzt ist, fest darauf drückt. Aus dem glimmenden Holzmehl erhält manmit Hilfe trockenen Mooses ein Helles Feuer, und das ganze Verfahren erfordert nachdem Zeugnis Holms „unglaublich kurze Zeit".

Das Feuerschlagen war bis in unser Jahrhundert hinein auch in Europa allgemeim-üblich. Durch Aneinanderschlagen zweier harter Steine oder eines Steines und einesStahlstückes erzeugt man Funken, die man mit einem geeigneten Zunder auffängt.Schwefelkies und die verschiedenen Arten des Quarzes, insbesondere Feuerstein , werdenihrer ausgezeichneten Härte wegen bevorzugt.

Es ist ohne weiteres klar, daß bei der Bearbeitung des Holzes durch Reiben undBohren, bei der Zurichtung der Steine durch Klopfen und Schlagen oft genug unwill-kürlich Feuer erzeugt worden ist, ehe man daran gedacht hat, diese Erfahrung zu nutzenund nun absichtlich den Versuch zu wiederholen. Mit einem Worte, die Arbeit desMenschen an Holz- und Steiugeräten verschaffte ihm als unerwartetes, zunächst wohlkaum hinreichend gewürdigtes Geschenk den Besitz des Feuers. Deshalb ist auch dieFrage nach dem Erfinder des Feuers zwecklos; es mag deren viele gegeben haben, vieleZwischenstufen der Erkenntnis sind erst nach und nach überschritten worden, und diegeistige That jedes einzelnen Helfers war vielleicht nicht übermäßig groß.

Überhaupt ist die Bemerkung nicht überflüssig, daß man sich von den „Erfindern"vergangener Zeit gern ein allzu phantastisches Bild macht. Es ist Übertreibung, wennPeschel dem sehr fragwürdigen Entdecker des Feuers die begeisterten Worte widmet:„An Schärfe des Verstandes wäre ein solcher Prometheus der Eiszeit nicht hinter denscharfsinnigsten Denkern der geschichtlichen Zeit zurückgeblieben." An all den früherenErfindungen der Menschheit haben gewiß viele mit gearbeitet — und ist es denn mitdenen der historischen Zeit und der Gegenwart so sehr anders? Wer mag jetzt auch nurnoch versuchen, etwa den Erfinder des Pulvers festzustellen, nachdem die vereinzelte,ungeschickte Verwendung des Stoffes in früher Zeit bei verschiedenen Völkern nachgewiesenworden ist? So ist es auch nicht eine einzige Persönlichkeit gewesen, die uns mit einemSchlage den vollen Nutzen der Dampfkraft gezeigt hat, der Erfindung des Buchdrucksgingen mancherlei Versuche voraus — kurz, jeder Erfinder steht auf den Schultern seinerVorgänger und ist vielleicht nur der Glücklichste, nicht der Genialste unter ihnen. Unddabei ist unter den Kulturvölkern der Gegenwart jedem Fortschritt ein ganz andrer Bodenbereitet, als unter einem vereinsamten Naturvolke. Uns ist es leicht, eine Erfindungallgemein bekannt zu machen, Teilnehmer und Förderer zu gewinnen — dieser fruchtbareBoden fehlte den Erfindern der Urzeit fast ganz. Sie konnten nur dann hoffen, Neuesdurchzusetzen, wenn es sich eng an das Alte und Gewohnte anschloß, wenn es die zahl-losen Hindernisse vermied, die ihm Mißtrauen und Aberglauben allenthalben entgegen-setzten. Viele Erfindungen, und dazu gehört gewiß die des Feuers, mußten immer undimmer wieder zufällig gemacht werden, bis man ihren Wert erkannte und sie festhielt.In solchen Fällen aber ist von einem eigentlichen Erfinder nicht mehr die Rede.

An die Betrachtung des Feuers knüpfen sich am besten einige Angaben über dieNahrung des Menschen und ihre Zubereitung. Seiner ganzen Natur nach gehört derMensch nicht zu den Raubtieren, da ihm alle natürlichen Waffen fehlen; indessen lehren