16
Einleitung: Entwickelungsgang der Menschheit.
Benutzung der Schleuder verstärkt wurde, furchtbar genug. Fast noch brauchbarer abererwiesen sich die scharfen Kauten und Splitter harter Gesteine: Der schwere Steinmit schneidendem Rande ist die Urform der Axt, der schmale scharfkantige Splitter daseinfachste Messer. Ein Fehler freilich haftete den meisten Steingeräten verhängnisvollan — sie waren unhandlich und durch die bloße Schwungkraft des Armes nicht genügendauszunützen. Da lag es nun nahe, die weichen, aber leicht zu handhabenden Holzgerätemit den dauerhaften Steinwerkzeugen zu verbinden und dadurch einen gewaltigen Schrittauf der Bahn der Erfindungen vorwärts zu thun. Man konnte die Holzspeere und-Pfeile durch eine Steinspitze gefährlicher machen, konnte dem hölzernen Schwerte scharfeSteinsplitter einsetzen und damit endlich zur Erfindung der Säge gelangen, vor allemaber die hölzerne Hacke durch Anfügen eines scharfen Steines verbessern oder, wenn manso will, Hammer und Axt mit einem hölzernen Stiele versehen.
Daß der erstere Ausdruck richtiger ist, lehrt die Entwickelung der Axt, die denmenschlichen Geist in anziehender Weise mit der Lösung eines kleinen, aber wichtigen
Problems beschäftigt zeigt. Man hat zuerstden Stein einfach auf das im Winkel vomStiel abstehende Ende der Holzaxt gelegtund mit Schnüren oder Sehnen festge-bunden. Das gab schlechten Halt. Manverfiel also darauf, das hölzerne Endeauszuhöhlen oder zu spalten, den Steinhineinzuklemmen und ihn nun durch Harzund andre Klebstoffe sowie durch straffeUmschnürung besser zu befestigen. VieleÄxte der Südseeinsulaner zeigen noch jetztdiese Form (s. Abb. 9). Verzichtete mandagegen ganz auf das knieförmig angesetzteStück der Holzaxt, verdickte vielmehr deneigentlichen Stiel an dem einen Ende so,daß man nunmehr den Stein unmittelbarin ihn einfügen konnte, so erhielt manein noch dauerhafteres, aber für vieleZwecke weniger geeignetes Gerät. Nnnhatte man früher schon das hölzerneKniestück oft durch ein in den Stiel ein-gelassenes Stück Horn oder die Zackeeines Geweihes ersetzt. Wenn man indieses zähe Geweihstück vorn einen Stein
einsetzte, so erhielt man eine aus drei Stücken bestehende Axt, eine Form, die sich besondershäufig in den Schweizer Pfahlbauten gefunden hat.
Anders als die Axt entwickelte sich der schwerfällige Hammer. Nur mit Mühewar er in einen durchbohrten oder gespaltenen Holzstiel so einzuklemmen, daß er beieinem kräftigen Hiebe nicht alsbald wieder abfiel — viel besser war es in diesem Falle,den Stein selbst zu durchbohren und den hölzernen Stiel durch ihn hindurchzustecken.Dieses Durchbohren des Steines ist in der That eine bei aller Einfachheit großartigeErfindung, die sich nicht einmal über die ganze Erde verbreitet hat, in Polynesien undAustralien z. B. so gut wie unbekannt ist, in Nordamerika dagegen sich schon in denältesten Fundschichten nachweisen läßt. Auch dabei waren Verbesserungen möglich: Stattden dicken Steinhammer mühsam völlig auszuhöhlen, benutzte man röhrenförmige Knochen-oder Rohrstücke, um mit Hilfe von Sand einen Steincylinder herauszubohren und so dieArbeit bedeutend zu verringern. Seltener als den Hammer hat man die zerbrechlichereSteinaxt durchbohrt, bei der man lieber die oben geschilderten Methoden anwandte.
Auch das Befestigen der steinernen Speer- und Pfeilspitzen hat den Geist desMenschen beschäftigt. Sie wurden ursprünglich und vielfach noch heute einfach in den