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Einleitung: Entwickelungsgang der Menschheit.
Nichts charakterisiert wohl die Überlegenheit des menschlichen Geistes in so über-zeugender Weise, wie das Verhältnis auch des niedrigsten Volksstammes znr Tierwelt;feindseligem Widerstand begegnet er mit mutigem Angriff oder vielgewandter List, füg-sames Wesen dagegen weiß er zum eignen Nutzen zu leiten und zu stimmen. Groß istdie Zahl der Hausüere, die in den verschiedenen Himmelsstrichen dem Menschen nähergetreten sind, von ihm abhängen und mit ihrer Kraft oder ihrem Körper ihm dienstbarsein müssen. Vielleicht am frühesten unter allen hat sich der Hund dem Menschen zu-gesellt; in alle Erdteile ist er ihm gefolgt und hat es erreicht, sich aus einem gefügigenWerkzeuge zum Begleiter und Freund seines Herrn zu erheben. Seine anerzogenenEigenschaften sind erblich geworden und jetzt ist er als freier Bewohner der Wildnisebenso undenkbar, wie ein größeres menschliches Gemeinwesen unvollkommen wäre ohneeinige dieser treuen und wachsamen Geschöpfe. Die Zähmung des Hundes, der wohlzunächst den Abfällen des Haushaltes nachgezogen ist, dann sich dem Jäger als frei-williger Gehilfe angeschlossen hat, muß in Europa früh erfolgt sein. Daß er nicht vonAnfang an in sehr vertraulichem Verhältnis zu seinem Herrn gestanden hat, erkennenwir schon aus den zahlreichen Hundeknochen, die sich unter den Resten menschlicherMahlzeiten finden; viele Völker betrachten auch jetzt noch Hundefleisch als willkommeneSpeise, ja züchten Hunde geradezu als Schlachttiere. Ob unsre Hunde vom Wolf oder
SS. Fischreuse der Kruncgrr <Lideril>).Nach Bllttikofer.
vom Schakal abstammen, ob sie schon vor der Zähmung eine eigne Rasse bildeten, sollhier nicht entschieden werden. Der amerikanische Hund ist, wie es scheint, das Ergebniseiner besonderen Entwickelung und hat nie den Grad der Zähmung erreicht wie dereuropäische.
In den Steppen Hochasiens mag es gewesen sein, wo man das Pferd zum erstenmalzähmte und in gewaltigen Herden wie noch heute über die weiten Flächen dieser seinerHeimat trieb. Erst nach und nach lernte man seine trefflichen Eigenschaften kennen undschätzen, und während man es anfangs seines Fleisches und seiner Milch wegen aufzog,ist es jetzt von allen Kulturvölkern aus der Liste der eigentlichen Schlachttiere gestrichen.Dafür sind die Körperkräfte des edlen und gefügigen Tieres ein unentbehrliches Hilfs-mittel der Kultur geworden, wenn auch die Periode der höchsten Wichtigkeit des Pferdesseit der Entdeckung der Dampfkraft für uns schon der Vergangenheit angehört. Überall hates sich zuerst zum Ziehen von Lasten verstehen müssen, ehe es den Menschen selbst aufseinem Rücken tragen lernte; wie die Homerischen Helden noch auf Streitwagen in dieSchlacht ziehen, assyrische und ägyptische Bildwerke die gleiche Sitte erkennen lassen, soist auch im alten China der Streitwagen der Lieblingsplatz des Kriegers, von dem auser seine tödlichen Pfeile versendet. In Amerika ist das Pferd schon in der Eiszeit aus-gestorben, und erst nach der Entdeckung des Erdteils durch die Europäer haben sich unterden Eingeborenen räuberische Reitervölker entwickelt.
Der andre wichtige Gehilfe menschlicher Arbeit, das Rind, ist schon früh gezüchtetund durch mancherlei Kreuzungen veredelt worden. Auch seine Eigenschaften weiß mannicht überall ganz auszunutzen; vielfach ist es nur Herdentier, stellenweise genießt mannicht einmal die Milch. Da aber, wo der Mensch sein ganzes Dasein auf den Besitzreicher Rinderherden gründet, wie im alten Indien die kampfesfrohen arischen Eroberer,da wächst die Bedeutung des Rindes ins Ungemessene und es tritt in ein Verhältnis zum