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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Einleitung: Entwickelungsgang der Menschheit.

baren Schätzen des Wissens nichts Wesentliches verloren geht, daß auch vernachlässigteZweige der Erkenntnis wieder emporblühen und in ihrer Entwickelung dort einsetzenkönnen, wo sie vor Jahrzehnten oder Jahrhunderten stehen geblieben sind, das dankenwir dem kostbarsten Gute aller Kulturvölker, der Schrift. Wenn für den Chinesennoch heute beschriebenes Papier etwas Heiliges hat, wenn er es nicht in den Staub derStraße werfen mag, sondern lieber durch Feuer vernichtet, so zeigt er ein tiefes Ver-ständnis für den Wert einer Kunst, die seiner Kultur den Sieg über alle hereinbrechendenBarbarenvölker gesichert hat. Wie die Sprache am Anfange menschlicher Kultur über-haupt steht, so eröffnet die Schrift die Pforte zu höherem und dauerndem Aufschwüngeder Gesittung. Wo einmal die Kunst des Schreibens erfunden oder von außen eingeführtist, da kann wohl ein Volk vor äußeren Feinden dahinschwinden oder eigner Schwächeerliegen, aber sein geistiger Besitz kann nicht mit ihm sterben, sondern wird ein Erbteilandrer, jugendkrästiger Völker.

S6. Hölzerne Kchristtafel von den Gsterinstln. Erste Seite. Nach Thomson,(llnentziffert.)

Wie es in der Völkerkunde überhaupt keine scharfen Grenzen gibt, so läßt sich auchdie Menschheit nicht schlechthin in die Gruppen der schriftlosen und der schriftkundigenVölker zerlegen eine ununterbrochene Entwickelung führt von den rohesten, unbeholfenenAnfängen bis zur durchgebildeten Schrift der Europäer, die ein fast ganz gefügiges Werk-zeug des Gedankens geworden ist. Im allgemeinen hat man zwei Wege eingeschlagen,von denen sich indes nur der eine als dauernd gangbar erwiesen hat, man hat nämlichSchriftsysteme entwickelt einmal aus einfachen Merkzeichen, anderseits aus Bildern.

Aus den Merkzeichen ist nur eine kulturgeschichtlich wichtige Schriftart hervor-gegangen, die sogenannte Knotenschrift der Peruaner. Ein Knoten im Taschentuch wirdauch von uns zur Auffrischung des Gedächtnisses nicht selten angebracht, und in Indonesien und anderwärts benutzt man Stricke mit Knoten, von denen täglich einer gelöst wird, umden Tag eines entfernten Festes nicht zu verfehlen. Aus solchen Anfängen heraus ist dieverwickelte, für uns nicht mehr lesbare Knotenschrift entstanden, die aber sicher nur einsehr unvollkommenes Mittel des Ausdruckes war und, wie es scheint, hauptsächlich beiAbrechnungen und Steuererhebungen gebraucht wurde. Auch die Chinesen besaßen inalter Zeit eine Knotenschrift, haben aber früh das schwerfällige Verfahren mit einemandern vertauscht. Nur die Ziffern sind bei den meisten Völkern aus einfachen Merk-zeichen entstanden, obwohl auch in diesem Falle die Bilderschrift mit ihren Abkömmlingenmeist ergänzend eingreifen muß.