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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Die europäische Kultur. 6L

Heldenmut des einzelnen wenig Raum zur Entfaltung, geschweige Einfluß auf die Ent-scheidung des Kampfes gestattet. Man kann also wohl zugeben, daß das Volk als Ganzesimmer machtvoller für sittliche Ziele eintritt — aber ebenso gewiß ist, daß der einzelnekleiner und schwächer wird. Damit aber berühren wir die verhängnisvollste Seite allerKiiltnrentwickelung, die nicht nur auf diesem Gebiete erscheint, die aber unvermeidlich ist,da sie auf eine notwendige Grundlage aller Kultur zurückgeht, auf die Arbeitsteilniig.

Auch bei den Naturvölkern finden wir die Anfänge bestimmter Gewerbe und Künste,die nicht mehr von jedem einzelnen des Volkes, sondern nur von ewigen befonderv dazugeschickten Personen ausgeübt werden: die Töpferei, die Schmiedeknnst, der Van vonSchissen und Booten sind da vorzüglich zu nennen. Immerhin ist feder Angehörige euresNaturvolkes gezwungen, als ganze, einheitliche Persönlichkeit der Natur gegennberzutreten,ihre Vorteile zu nutzen und ihren Schädlichkeiten auszuweichen; er mutz, wenn er alsJäger einsam umherschweift, im stände sein, sich ein Obdach zu Feuer zn en-

zünden, das Wild zu überlisten, er muß die eßbaren Früchte und Wurzeln der Wildniskennen, muß endlich auf feindliche Begegnungen gefaßt sein, kurz, er kann Überhaupt nurdauernd bestehen, wenn er alle seine Bedürfnisse selbst zu befriedigen versteh. ^

Bei den Kulturvölkern werden solche Persönlichkeiten seltener »nd 'eltener. ^mmergrößer wird die Zahl der Kenntnisse und Fertigkeiten, die sich von Geschlecht zu GeMecyrvererben, und mir dadurch lassen sie sich erhalten und entwickeln, daß sie immer mehrMeinzelne verteilt und von diesen ausschließlich ausgeübt werden. So sorgt denn em >reitdes Volkes für die Ernährung, ein andrer für Kleidung, Obdach, für Beförderung nnVerteilung der Güter, wieder ein andrer für den Schutz des Landes, noch em andrer fürdie Erhaltung und Überlieferung der Schätze des Wissens u. f. w. Die Kraft, kne auf refeWeise gewonnen wird, ist unendlich viel größer, als sie einem Natnrvolke -- als Ganzesgenommen — bei sonst gleichen Verhältnissen zu entwickeln möglich ist: die Arbeitsteilungist schlechthin Vorbedingung aller höheren Kultur.

Die günstigen Folgen liegen klar zu Tage, und wenn das Gluck der Meirichen ar fdem Besitz materieller Güter beruht, dann wird es in der That durch die svrt,chrettcndeArbeitsteilung bcstäirdiq wachsen müssen; die Erzeugung aller Güter wird auf diese Artrmmer rascher, billiger und besser vor sich gehen. Die Fortschritte auf diesem Gebiete findvielleicht die kenntlichsten, und man hat es oft ausgesprochen, daß eui Fabrikarbeiter derGegenwart an materiellen Genüssen sich mehr verschaffen kann, als es irgend em wackererRitter des Mittelalters vermochte Aber gerade unsre heutigen Arbeiter beweifen uns,daß diese glänzende Entwickelung mit einem Verluste verbunden sein muß, der unter Um-ständen alle Vorteile überwiegt' ja die von ihm Betroffenen völlig blind gegen sie macht.Allenthalben kommt ein verzweifeltes Gefühl zum unklaren und teilweise bösartigen Durch-bruch, das auch besseren Naturen nicht fremd ist — das Gefühl, daß bei den rasendenFortschritten unsrer Kulturentwickelniig der Mensch endlich zur Maschine, nein, nur zumRädchen einer Maschine herabsinkt, und daß er infolgedessen, da er nur an bestimmtenStellen verwendbar ist, znm Sklaven der Verhältnisse und der Menschen, die tuest Ver-hältnisse ausnutzen, werden muß.

Ein andrer Umstand trägt dazu bei, die Lage der höchstentwickelten Kulturvölker zugefährden — es ist der ungesunde Zudrang nach den Sammelpunkten der Industrie unddie Verödung des flachen Landes. Aus kräftigen, konservativen Bauern werden schwäch-liche, unzufriedene, in jeder Hinsicht demoralisierte Fabrikarbeiter, und das Land , stattauf eignen Füßen zu stehen, muß die notwendigsten Lebens,nittel von außen einfuhren.

Dabei ist allerdings zu bedenken, daß wir in einer Übergangszeit leben, MttM-alter sonderte sich das Volk in zahlreiche kleine Verbände, die in ihrer Mitte Schutz botennnd zugleich herzliches Aneincmderschließen der einzelnen ermöglichten; der Handwerkerz. B. war eng mit seiner Zunft verbunden, wurde durch sie bei Unglucksfallen anfrecyi-erhalten, war stolz auf sie und stand selbstbewußt allen andern Volksgenossen gegenüberJetzt sind diese kleinen Verbände zertrümmert, selbst der Zusammenhalt der Famiuen istgelockert. Ein endloses Feld der Bethätigung eröffnet sich dainrt dem Thatkräftigen unguten wie im bösen Sinne, er ist es, der bei dieser Umwandelnug gewinnt; der Schwache

Das Buch der Erfind. I. ^