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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Einleitung: Entwickelungsgang der Menschheit.

dagegen hat seine Stütze verloren, und der Staat, dem er nicht herzlich näher treten kann,der als kalte Abstraktion vor ihm steht, ersetzt sie ihm nicht. Man beginnt jetzt wieder zuerkennen, welche Kraft, welche Eigenart und welcher Lebensmut in diesen intimen Ver-bänden einstmals einen Boden fand; man hat ferner auch in Deutschland endlich gelernt,wie die Pflege des eignen Volkstnmes unendlich herrlichere Früchte bringt, als jene seichtekosmopolitische Verbrüderung, die dem tiefsten Wesen gerade der arischen Kultur wider-spricht, und die doch, wenn man folgerichtig sein will, das Endziel jener auflösenden Ent-wickelung werden mich.

Die Anfänge aller dieser Umwandelungen liegen auf geistigem Gebiete, und wirerkennen bei genauer Prüfung, daß die Fortschritte der Wissenschaft regelmäßig den erstenAnstoß gegeben haben. Aber die Wissenschaft als solche wirkt noch auf andre Gebieteteils befruchtend, teils zersetzend ein, auch sie hat ein Doppelgesicht, und es gilt, Gewinnund Verlust sorgsam zu erwägen.

Unermeßlich ist der Gewinn, den uns die echte Wissenschaft gegeben hat und noch gebenwird: vor ihrem klaren Blicke zerrinnen die Schatten des blutigen Aberglaubens und des fin-steren Fanatismus, und während sie nach der Wahrheit strebt, spendet sie als freiwillige Gabeeine Fülle nützlicher Kenntnisse und Erfindungen. Sie will Großes und sie erzieht zu Großem.

Und doch ist es sonderbar, daß das Wort „Aufklärung" mit der Zeit einen eigen-tümlichen Klang angenommen hat, daß man es nicht mehr mit der unbedingten Verehrungaussprechen mag, die ihm einst so bereitwillig zu teil geworden ist. Es schwingen beidiesem Klänge Saiten mit, die häßlich tönen, eine Erinnerung an die unsägliche Plattheitund Nüchternheit der „Aufklärnngszeit" läßt uns nicht froh werden. Es ist in jenerEpoche viel unsinniger Wust hinausgefegt, viel ehrwürdiges aber unnützes Gerümpel be-seitigt worden, aber die Reinigung war zu gründlich, und mit dein Staube hat man auchmanche bunte harmlose Malerei von den Wänden gescheuert, bis jeden nicht ganz Phantasie-losen in dem kahlen Raume ein Frösteln überkam. Gerade die Phantasie, dieses kostbareGut der arischen Völker, leidet schwer unter dem einseitigen Kultus des Verstandes, undmit ihr leidet ihre Tochter, die Kunst; denn auch diese bedarf, wie die Religion, einesgewissen kindlichen Glaubens an ihre Zaubermacht, wenn sie nicht wirkungslos bleibenoder wie eine Blume im beständigen Schatten verkümmern soll. Ob es aber einen:Kulturvolke auf die Dauer möglich ist, zugleich wissend und naiv zu sein, ob wir nichtunsrer Erkenntnis schwere Opfer an Freuden des Gemütes, an harmlosem Glücksgefühlbringen müssen — wer möchte das mit Gewißheit sagen?

Gewiß ist das eine, daß die Kultur manche Wunde, die sie geschlagen hat, selbst zuheilen weiß; aber blind auf diese heilende Kraft zu rechnen, wäre unklug, wie ein Blickauf die zerstörten, an inneren und äußeren Krankheiten zu Grunde gegangenen Kulturendes Alter-tumes lehrt. Das Gefühl, daß wir jeden Kultnrgewinn mit Verlusten erkaufen,wirkt mehr oder weniger bewußt in jedem Menschen, ja es teilt die Menschheit in zweigroße Heerlager, die wir mit Schlagworten unsrer Zeit als liberal und konservativ be-zeichnen dürfen — Begriffe, die freilich in höherem Sinne genommen werden müssen,als dies von den Parteiführern der Gegenwart geschieht. Der Liberalismus in seinerausgeprägtesten Gestalt sieht nur die Vorteile der Kulturentwickelung lind weiß kein Heil-mittel für ihre Schäden, als immer rascheren, immer fieberhafteren Fortschritt; der ein-seitig Konservative richtet den Blick starr aus die verschwindenden Güter der Vergangenheit,er sieht das Heil im Stillstand und in der Rückkehr zu älteren Zuständen. Beide Welt-anschauungen sind berufen, sich zu ergänzen und in ihrem Kampfe die mittlere Bahn derEntwickelung festzustellen, — der völlige Sieg der einen oder der andern wäre verhängnisvoll.

Uns aber ziemt es, mit klarem Blicke das Werden und Vergehen unsrer Kultur zuüberschauen, kraftvoll mitzuarbeiten, wo es einem edlen Ziele gilt, aber auch das Alte,Überlieferte treu zu wahren und nicht leichtsinnig Unersetzliches für flüchtigen Tand dahin-zngeben. Blicken wir mit Stolz auf unsre Kultur, aber seien wir der Vergangenheitdankbar, auf deren Schultern wir stehen, und bewahren wir uns ein offenes Auge für dieGefahren unsrer Entwickelung! Nicht eitle Selbstbewundernng ist das Ziel des Menschen,sondern Selbsterkenntnis.