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Baukunst: Typen der nwrgenländischeu Kunst.
Technik und Kunst. Es offenbart sich in den grundverschiedenen Richtungen, welche alleDarstellungen nehmen, eine ganz verschiedene Knnstphantasie; während die Semiten sichin zahlreichen Anspielungen auf das Transcendentale und Symbolische ergehen, heftensich die Arier an Bilder des wirklichen Lebens in einer gewissen Naturfrohheit undnaiven Dekorationslnst, welche alle übersinnlichen Bezüge beiseite läßt. Aber die semitischeKunst ist überall die ältere und höher organisierte und gibt den arischen Völkern erst denAnstoß zu einer weitergehenden Entwickelung. Wirklich entstehen an den Berührungs-punkten der morgenländischen und abendländischen Welt die Keime einer ersten hohenKunstblüte, welche endlich aus griechischem Boden zur klassischen Vollendung führen sollte.
Die Metallzeit hat den Schatz der dekorativen Formen bedeutend vermehrt; aufkunstgewerblichem Gebiete kann bereits von dem Vorhandensein einer wirklichen Kunstgesprochen werden, wenn auch die Menschen- und Tierfigur immer noch in rohenAnfängen stecken bleibt. Von größter Wichtigkeit sind die vielfachen Erfindungen auftechnischem Gebiete, das Schmieden, Gießen , Schneiden und Löten der Metalle, dieTöpferei mit Hilfe der Drehscheibe, das Brennen und Glasieren des Thons, die Weberei,die Glasbereitung, die Schmelzarbeit auf Metall n. dergl. Indes zeigen sich in höchstbemerkenswerter Weise alle technischen Anfänge sofort in künstlerischer Form, ebenso wiedie Litteratur der Völker nicht mit der Prosa, sondern mit der Dichtung beginnt.
Die sardinischen Steintürme mit kuppelartigem Innern, die Steinkreise auf Maltaund Gozzo, welche bereits als wirkliche Tempel erscheinen, ergeben unmittelbare Vor-bilder für die folgenden Epochen der ausgebildeten Monumentalknnst; indes wird diewahre Aufgabe der Architektonik, die Raumbildnng im gegliederten Zusammenhange miteinem nach außen gewendeten Freiban, nur erst gestreift. Jedenfalls beginnt in derprähistorischen Epoche die Ansammlung des traditionellen Formenschatzes, welcher dasspätere Fortschreiten der technischen und künstlerischen Entwickelung möglich macht.
Die Baukunst der Ägypter.
Ägypten besitzt die ältesten datierbaren Denkmäler und muß deshalb in der Ent-wickelungsgeschichte der Monumentalknnst vorangestellt werden. Die ägyptische Kunst isteine streng autochthone, ohne äußere Einflüsse erwachsene und zeigt deshalb einen starr-nationalen, für uns fremdartigen Charakter. Einen unerhört langen Zeitraum hindurch,mindestens 5000 Jahre vor unsrer Zeitrechnung, soweit historisch schätzbar, hat in Ägypten eine hoch entwickelte, von Schrifttum begleitete Kultur geblüht, und die Priesterkollegienzählten in langer Reihe, von Menes bis auf Nectanebus, 30 Dynastien einheimischerKönige. Zwar sind die Jahrtausende ägyptischer Königsherrschaft nicht in ruhiger Folgeverflossen, vielmehr hat man, seit man die Hieroglyphen lesen gelernt hat, erkannt, daßgroße Revolutionen im Innern, Einfälle fremder Völker von außen mehr als einmalden Staat von Grund auf geändert haben, daß sogar neue Volksrassen erscheinen, diemit den früheren nichts mehr gemein haben, nicht einmal die Namcnsgebnng; aberdennoch dauert ein Zusammenhang der künstlerischen Formgebung fort, wenn auch alteTypen abgenutzt, neue erfunden werden, und sich sogar eine gewisse Renaissance in derWiederaufnahme älterer Formen bemerkbar macht. Das stetige Element im Fluß derZeiten bildet die Abgeschlossenheit des Nilthals zwischen Höhenzügen, welche sich beider-seits desselben hinziehen und die Wüste hinter sich haben, die Begrenzung im Südendurch kulturlose Stämme und im Norden durch das Meer und eine schmale Landzunge,welche einen spärlichen Zusammenhang mit Asien vermittelt. Das Mittelländische Meerkommt in den ältesten Zeiten wenig für den Verkehr in Betracht, denn die Ägypter waren,einzelne Küstenfahrten abgerechnet, kein eigentlich seefahrendes Volk. Die frühe KulturÄgyptens erklärt sich außerdem aus der Enge des Landes, welches eine dichtgedrängteVölkerschaft auf intensiven Ackerbau und Industrie hinwies. Der Nil mit seinen jährlichenÜberschwemmungen hat Ägypten geschaffen und hat den Bewohnern ihren Charakter auf-geprägt. Geometrie mußte bald da eine wichtige Wissenschaft werdsn, wo alle Jahre die Besitz-grenzen unter dem Schlamm des Nils begraben und neu wieder hergestellt werden mußten.