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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Bauten in Syrien und im oströmischen Reiche im 6. Jahrhundert n. Chr.

Im nördlichen Teile Zentralsyriens zeigt sich ein stärkerer Einfluß der hellenistisch-römischen Kunst. Die dreischiffige Basilika zu Rnweiha zeigt Gurtbogen, welche dieniedrigeren Pfeiler der Länge und der Quere nach verbinden und mit Holz abgedecktwaren, das in dieser Gegend vorhanden war. Eins der bemerkenswertesten BanwerkeZentralsyriens ist die Klosterkirche des heiligen Simon Stylites zu Kalat-Sim 'an, welchein ihrer Anlage mit der Beschreibung der von Konstantin dem Großen in seiner Residenz er-bauten Grabkirche übereinstimmt. Die Kirche hat vier Arme, die um einen gemeinsamenachteckigen Hofraum gruppiert sind und sich einzeln als dreischiffige Basiliken darstellen,welche durch Säulen mit Bogen geteilt sind. Der östliche Arm endigt mit drei halbkreis-förmigen Apsiden, und zwischen den Fenstern des Mittelschiffes erscheinen Zwergsäulenauf Konsolen.

Das Ornament der zentralsyrischen Bauten zeigt eine Anlehnung an griechischeFormen, bewahrt indes eine gewisse Freiheit, da antike Tempel als Muster nicht vor-handen waren. Das korinthische Kapitell zeigt den scharfgeschnittenen, trocken behandeltenAkanthus, daneben kommen häufig die gedrehten Akanthusblätter vor, ähnlich denen anrömischen Kandelabern. Die Zwergsäulen zeigen öfter ein Kapitell in Form einer um-gekehrten abgestumpften Pyramide. Die Gesimsbänder sind häufig durch Kreislinien ver-bunden und rollen sich an den Endigungen zusammen. Die arabische Nationalität derErbauer tritt vielleicht in der Vorliebe für sich durchschneidende, mathematische Linien alsMotive des Flächenornamentes hervor.

Das oströmische Kaisertum, von Konstantin gegründet, gab schon durch die Lageseiner neuen Hauptstadt Konstantinopel an der Propontis gegenüber der asiatischen Küstean der Stelle des griechischen Byzantium, zu erkennen, daß es auf die Beherrschung zweierWeltteile abgesehen war. In der That lag der politische Schwerpunkt Ostroms in denasiatischen Provinzen. Die Regierung nahm einen asiatisch-despotischen und PrunkendenCharakter an, der durch die christliche Sittlichkeit kaum gemildert wurde.

Der Zentralbau mit mittlerer PendentifkuPPel (Kuppel über quadratischem Raumund eingeschriebenem Kreise, welche auf den aus den Ecken frei herausgewölbten Zwickelnruht) und basilikalem Querschnitt, der hauptsächlich bei den Byzantinern weitergebildetwurde, war allerdings auch in Westrom vorhanden; es scheint aber, daß Byzanz nichtnur Anregungen, sondern eine stärkere, fortgesetzte Einwirkung von Syrien und denEuphratländern her empfangen hat.

Die heilige Grabeskirche in Jerusalem , die unter Konstantin errichtet wurde, wareine fünfschiffige Längsbasilika, schloß aber im Westen jedenfalls mit einem Rundbau;wenn derselbe auch ursprünglich keine Kuppel trug. Die konstantinische achteckige Haupt-kirche zu Antiochien scheint indes eine wichtige Stellung in der Entwickelung der Kuppel-bauten einzunehmen. Konstantinopel wurde im Jahre 532 fast ganz durch Brand zerstört,so daß wir von den älteren Bauten der Stadt nichts wissen. Justinian ließ Byzanz neuerstehen und die durch Feuer beschädigte Basilika S. Sophia des Konstantin neu herstellen,in der ausgesprochenen Absicht, das überhaupt prachtvollste aller Monumente zu errichten.Anthemios von Dralles und Jsidor von Milet waren die Baumeister des großartigenKirchengebäudes; von Rhodos kamen die porösen Ziegel der Kuppel, und der Marmorwurde aus den Resten der heidnischen Tempel Europas und Asiens gewonnen. Die eben-falls von Justinian erbaute Kirche der S. S. Sergius und Bacchus in Konstantinopel leitete erst zum Bau der Sophienkirche über. Den Hanptteil der S. S. Sergius- undBacchuskirche bildet der achteckige kuppelüberdeckte Mittelranm, der vielleicht erst einemälteren Bau eingefügt ist. Acht Pfeiler trage» die Kuppel, an welche sich in diagonalerRichtung vier halbkreisförmige, je mit einer Halbkuppel abgedeckte und von zwei Säulenunterstützte Nischen anschließen, während sich nach den Hanptrichtungen der Kirche großeRundbogen öffnen, auf welche Tonnengewölbe folgen, so daß im ganzen im Grundrißein griechisches Kreuz hervortritt. Über einem geraden Gebälk nach dem Mittelraume zuöffnen sich Emporen die in der Apsis abbrechen. Die Kuppel, auf sphärischen Zwickelnansetzend, ist etwas in der Längsrichtung verlängert, steigt mit sechzehn Rippen auf und istmit Blei abgedeckt. Das Hauptschiff der Sophienkirche weicht dann wieder etwas von