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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Romanische Bauwerke in Deutschland .

und ein Pflanzenornament, welches wie ein im Profil gesehenes Tnlpenblatt mit Knospenaussieht. Bon der Mitte des 12. Jahrhunderts ab macht sich eine Bevorzugung welt-licher Stoffe in der Buchmalerei geltend. Die Nachahmung der byzantinischen Vorbilderwird verlassen, und es zeigt sich an Stelle derselben öfter eine freie Erfindung.

Die deutschen Ornament- und Skulptnrschulen lassen sich wieder wie die Bau-schulen nach den Provinzen unterscheiden. Die rheinische Schule behält noch längereZeit auch im Ornament den antikisierenden Charakter. An den ältesten Teilen desMainzer Domes, der im 11. Jahrhundert noch eine flache Holzdecke hatte, speziell amsüdlichen Portal des Ostchores treten Säulen mit korinthisierenden Kapitellen auf, danebenallerdings auch solche mit Tiergestalten nordischer Herkunft. In der Kapitolskirche zuKöln finden sich, ungeachtet der durchgehenden Wölbung, Pilaster mit geradem Gebälk.Die Klosterkirche zu Limburg a. d. Haardt zeigt noch verjüngte Säulenschäfte mit attischerBasis, indes sind die Kapitelle bereits in Würfelform gebildet. Die Ornamentik dergroßen mittelrheinischen Tome von Speier und Worms ist, dem Gewölbesysteme entsprechend,in strengen, energischen Formen gehalten mit durchgängiger Anwendung des Würfelkapitelles.Im Äußern bilden Lisenen (senkrechte Wandvorlagen) mit Rundbogenfriesen, dann dergebrochene Stab, das Schachbrett- und Schuppenmuster die Ausstattung. Die Kirche vonSchwarz-Rheindorf, gegenüber Bonn , hat die früheste Zwerggalerie des Äußern aus-zuweisen, die am Rhein vorkommt. Übrigens bildet sich im 12. Jahrhundert in denRheingegendcn eine auf malerische Wirkung ausgehende Stilform, die sich im Detail inder Anwendung der Ringsänle und des Kelchkapitelles äußert. Das Kelchkapitell kommtunter anderm in der Klosterkirche zu Laach vor, dann im Anbau des Domes zu Trier inGroß-St. Martin zu Köln u. a. O. Zeitlich mit der Entwickelung der nordfranzösischenGotik parallel geht in Deutschland der Versuch, den romanischen Aufbau leichter zugestalten. An der Cistercienserkirche zu Heisterbach erscheint bereits ein nach innen ge-zogenes Strcbesystem. Eine spielende Bogenform, der Kleeblattbogen, wird jetzt üblich,wie derselbe beispielsweise in der St. Matthiaskirche zu Koben: vorkommt. Die Einzel-bildungen an der Hauptkirche zu Gelnhausen in Rheinhesscn sind denen der rheinländischenBauten der Spätzeit ähnlich. — Die romanische Wand- und Gewölbemalerei entwickeltsich zu hoher Bedeutung. Großartige Beispiele bieten die Doppelkirche zu Schwarz-Rheindorf, der Kapitelsaal des Klosters Brauweiler bei Köln und die Taufkapelle vonSt. Gereon zu Kölu.

Die sächsische Ornamentik zeigt zunächst ein starkes, auf theoretischen Studienberuhendes Antikisieren. Bischof Bernward in Hildesheim wird hier zuerst der Schöpfereines deutsch -romanischen Skulpturstiles, und zwar hauptsächlich durch seine Erzwerke, dieSäule am Dvmhof und die Thüren des Domes. Die figürliche Kirchenskulptnr, wie sieim 11. Jahrhundert in Sachsen vorkommt, ist von echt monumentaler Wirkung, obgleichdie Einzelvcrhältnisse der Figuren nur selten richtig sind. Stnckreliefs sind häufig undfinden sich im Kloster Gröningen bei Halberstadt , an den Chorbrüstungen der Lieb-frauenkirche in Halberstadt und in der Kirche zu Hamersleben . Nach der Mitte des12. Jahrhunderts wird eine besonders feine und harmonische Ausbildung des Schmuckeserreicht. Äm Erneuerungsban der Michaelskirche in Hildesheim zeigen sich in dieser Artreiche Kapitelle mit mehreren Blattreihen, zuweilen auch mit Ranken, welche menschlicheund tierische Gestalten einschließen. Die Bogenlaibungen und Bogenzwickel der Michaels-kirche werden ebenfalls durch reiche Stuckverzierungen belebt. In: letzten Viertel des

12. Jahrhunderts kommen in Sachsen die gewölbten Basiliken in Aufnahme, die zuersteinfacher, wie der Don: zu Braunschweig , später reicher, wie die Klosterkirche von Conrads-burg bei Ermsleben , ausgestattet werden. Es kommt gleichzeitig Figürliches von großerSchönheit vor, wie die Skulpturen an der Kanzel der Klosterkirche zu Wechselbnrg. Dashöchste dieser Art gibt die goldene Pforte zu Freiberg , aus dem zweiten Viertel des

13. Jahrhunderts stammend. In Westfalen, mit sonst dürftiger Ornamentik, findensich doch eine Anzahl reicher Portalbildnngcn, wie die in der St. Jakobskirche zu Koes-feld und die des nördlichen Portales am Kreuzschiff des Domes zu Paderborn . DieMalereien im Innern des Patrvklns-Münsters zu Soest sind von großartiger Auffassung.