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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Baukunst: Zweite Barockperiode.

einer mittelalterlichen Anlage umgebaut wurde. An den alten Chor schlössen sich zweiKuppelräume mit Seitenschiffen und Kapellen an, weiter nach Westen erhob sich ein alledrei Schiffe zusammenfassendes Achteck mit zwei Pfeilern in der Mitte. Die Fassadebildet sich als Rundbau zwischen zwei Türmen aus. Im Kloster Ottobeuren finden sichdortrefflich dekorierte Räume. Die Stiftskirche von St. Gallen stammt aus verschiedenenZeiten. Den mittleren Teil bildet ein Kuppelraum mit drei Rundkapellen.

Polen war seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts, ähnlich wie Böhmen undSchlesien , fast ausschließlich eine Domäne der italienischen Künstler, bis endlich unterKönig August II. die sächsische Kunst nach Warschau verpflanzt wurde. Schloß Ujasdowin Warschau , noch mit Türmen an den Ecken versehen, wurde von Italienern erbaut.Ein Hauptwerk ist das Schloß Willanow bei Warschau , welches ebenfalls von Italienernausgeführt wurde, möglicherweise unter Beihilfe Schlüters. Der Bau des PalastesKrasinsky in Warschau fällt mindestens noch in die polnische Zeit Schlüters. Von denin sächsischer Zeit errichteten Bauten ist wenig erhalten.

In den Niederlanden wird das Barock dieser Periode „Stil Rubens" genannt,und nicht mit Unrecht, was das ehemals spanische Belgien anbelangt. Rubens geht sogar

196 . Grnndrih der Paulskirchc in London .

Nach Gailhabaud.

in den kühnen Biegungen der Gliederungen dem Borromini voran, aber er erscheintnordisch-regelloser als dieser. Jean Franqnart in Brüssel hatte schon vor Rubens ' Rück-kehr aus Italien die Richtung auf den klassischen Barockstil genommen. Sein Hauptwerk,die ehemalige Augustinerkirche in Brüssel , vermutlich der Umbau einer gotischen Anlage,ist in der Fassade klassizierend, zugleich aber von derb vlämischer Eigenart. Die Jesuiten-kirche zu Antwerpen, in der inneren Ausstattung von Rubens beeinflußt, besitzt einen aus-gezeichneten Turmbau in blauem und weißem Haustein ausgeführt, welcher hinter demChor steht und stark italienisch in den Einzelformen gebildet ist. Die Fassade der Kircheerinnert einigermaßen an die eines vornehmen Wohnhauses. Die noch erhaltene Garten-halle seines eignen Hauses in Antwerpen hat Rubens schwer und mit malerischer Launebehandelt. Coeberger ist wieder weit strenger und römischer in den Gliederungen seinerBauten. Seine Kirche Notre Dame von Montaigu, mit schwerer Kuppel über einemdorischen Unterbau, erinnert an die Salute in Venedig . Im belgischen Profanban sinddie mit starken Bossagen und phantastischen Konturen versehenen Portale bemerkenswert.Lucas Faid'herbe verbindet in der Jesuitenkirche zu Löwen das malerische italienischeBarock mit der französischen Feinheit der Detaillierung. Faid'herbe bethätigt sich, ähnlichwie die süddeutschen Meister, meist am Umbau mittelalterlicher Kirchenanlagen. Der bel-gische Profanbau dieser Periode kommt künstlerisch besonders an den Zuchthäusern zum